Archiv für den Monat: Oktober 2013

Die Klimaschutz-Lücke

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Eines der zentralen Ziele des politischen Klimaschutzes ist eine Begrenzung der Erderwärmung um zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter (meist wird das Jahr 1850 verwendet). Auch Angela Merkel hat sich auf dieses Ziel mehrfach verpflichtet, zuletzt beim Petersberger Klimadialog.

Was ist das Zwei-Grad -Ziel?

Zunächst mal ist es ein politisches Ziel und die genauen Effekte eines Temperaturanstiegs um zwei Grad sind eines der größten wissenschaftlichen Forschungsgebiete. Sicher ist auch, dass ein Überschreiten dieser Grenze nicht sofort zu einer apokalyptischen Kettenreaktion führt. Trotzdem sind die momentan vom Weltklimarat IPPC prognostizierten Effekte beim Zwei-Grad-Szenario nicht angenehm. Hier möchte ich nur kurz die Folgen Meeresspiegelanstieg, Verschiebung der Wüstenzonen, Übersäuerung der Meere und Klimaflucht nennen. Im vierten IPPC-Bericht von 2007 wurden mehrere Szenarien bei einer höheren Erderwärmung analysiert. Diese Szenarien waren bei höheren Temperaturanstiegen so stark geprägt von Klimazonenveränderungen, Meeresspiegelanstieg und dadurch bedingter Klimaflicht , dass nur das Zwei-Grad-Szenario, in welchem eine nachhaltige Klimapolitik zu Grunde gelegt wurde, als einziges zu bewältigende Perspektive für die Weltgemeinschaft eingestuft wurde. Da die Erderwärmung direkt mit der Konzentration von bestimmten klimaschädlichen Gasen in der Erdatmosphäre zusammenhängt, ist das Zwei-Grad-Szenario eigentlich nur ein Äquivalent zu einer bestimmten Menge des klimaaktiven Gases CO2 in der Atmosphäre. Andere klimaschädliche Gase machen einen wesentlich geringeren Anteil aus und werden abhängig von ihrer Klimaschädlichkeit in CO2-Werte umgerechnet.

Was bedeutet internationaler Klimaschutz?

Das Zwei-Grad-Ziel wurde auf der Weltklimakonferenz 2010 in Cancun erstmals als weltweites Ziel beschlossen. Um dieses Ziel nun wirklich zu erreichen, muss der weltweite Ausstoß von CO2 ganz massiv sinken. Das betrifft vor allem die Industrieländer und die großen Schwellenländer wie China, die für die meisten CO2-Emissionen verantwortlich sind. Momentan steigt der weltweite Ausstoß immer noch. Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 hat diesen Anstieg zwar kurz gebremst aber der weltweite Emissionsausstoß steigt klar an. Umso länger und vor allem stärker diese Emissionen ansteigen, umso schneller und radikaler muss eine Reduktion der Emissionen in zukünftigen Jahrzehnten vollzogen werden. Politisch und wissenschaftlich wird momentan daran gearbeitet, ein bestimmtes Jahr als sogenanntes „Peak-Year“ zu definieren – also das Jahr, in dem der weltweite CO2-Ausstoß seinen Höhepunkt erreicht. Doch darüber ist momentan noch keine Einigung erreicht. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, wäre es notwendig, das Peak-Year in den Jahren 2018-2020 festzusetzen.

Die Lücke

Die Höhe des CO2-Ausstoßes im Peak-Year wurde 2012 auf der Klimakonferenz in Durban zum ersten Mal ernsthaft diskutiert. Dabei wurde eine schwerwiegende, große Lücke festgestellt. Mit den aktuellen Steigerungsraten der weltweiten CO2-Emissionen wird der Peak so hoch ausfallen, dass das Zwei-Grad-Ziel kaum mehr realistisch erscheint. Alternativszenarien mit weniger Emissionen oder stärker eingerechneten weltweiten Klimaschutzmaßnahmen, reduzieren den Peak zwar teilweise deutlich um bis zu 10%, doch bleiben auch sie deutlich über den Werten, die in dem Bereich liegen, mit denen das Zwei-Grad-Ziel realistisch und wahrscheinlich erreichbar bleibt.

Dementsprechend verbleibt in der aktuellen Klimapolitik selbst bei optimaler Umsetzung der aktuell diskutierten Maßnahmen und wenn jedes einzelne Land seine zugesagten Klimaschutzmaßnahmen wirklich erfüllt, eine enorme Lücke zu dem eigentlich gesetzten Ziel von 15%-20% der weltweiten Emissionen. Der internationale Klimaschutz ist dementsprechend noch sehr weit davon entfernt einen realistischen Weg aufzuzeigen wie das Zwei-Grad-Ziel wirklich erreicht werden kann.