Archiv für den Monat: November 2013

Die Rolle der Wälder im Klimaschutz

Quelle: NASA
Quelle: NASA

– handeln wir mit CO2 oder schon mit Menschenrechten?

Die Wälder dieser Welt sind die grüne Lunge unseres Planeten. Unseren lebensnotwendigen Sauerstoff verdanken wir den Pflanzen, die dagegen für die Aufrechterhaltung ihres Organismus Kohlenstoffdioxid aufnehmen. Als Teil des globalen CO2-Kreislaufes nehmen sie damit auch automatisch eine wichtige Rolle in der Klimawandeldiskussion ein: einerseits tragen unsere Waldrodungen zu 20 % zur Treibhausgasemission bei, anderseits können Wälder das CO2, dass sie aus der Atmosphäre entziehen, lange speichern und somit als Treibhausgassenken dienen.

 Ganz klar, diese zwei wichtigen Funktionen dürfen im Klimaschutz also nicht außen vor gelassen werden, weshalb 2007 auf der Klimakonferenz in Bali der „REDD-Mechanismus“ für die äquatorialen Wälder konzipiert wurde, der später einmal in das Klimaabkommen eingearbeitet werden soll.

 REDD bedeutet „Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degredation“, aber schon bald wurde erkannt, dass man sich nicht nur auf die verschwindenden Wälder beziehen darf, weshalb mit einem angehängten „+“ auch noch Waldaufforstung und nachhaltige Waldbewirtschaftung aufgenommen wurde.

Und um es einmal lapidar auszudrücken: damit platzt das Programm auch schon aus allen Nähten.

Ein Wald ist ein unglaublich diverses Ökosystem und nicht einfach ein CO2-Speicher, wenn er wächst und ein CO2-Emittent, wenn er gefällt wird. Er ist Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen und stellt Wasser, Nahrung und Holz zu Verfügung, ist für uns ein Ort der Erholung, für indigene Völker sogar ein Teil ihrer Kultur und Religion. Und ganz ehrlich, auf einer moralischen Ebene sollte man sich zudem bewusst machen, dass Natur auch einen intrinsischen Wert besitzt, also eine pure Daseinsberechtigung, die über ihren messbaren Nutzen für den Menschen hinausgeht. Zu diesen ganzen Funktionen kommt hinzu, dass Wald in verschiedenen Gebieten der Erde ganz unterschiedlich gestaltet ist (Baumhöhe und -dichte, Schichtung und Diversität), verschiedenen administrativen Ordnungen unterstellt und sehr unterschiedlich genutzt wird.

Der Plan ist es, mit dem REDD+-Mechanismus Wäldern einen finanziellen Wert zuzuschreiben, sodass Abholzen quasi dem Verbrennen von Geld gleichkommt. Industrielle Länder können dann für ihren nationalen Klimaschutz Waldschutz oder -aufforstungsprogramme in äquatorialen Ländern finanzieren.

Allerdings werden diese Maßnahmen sehr kritisch gesehen:
zum einen, ist fraglich ob sie wirklich eine Wirkung haben, die Treibhausgasemission messbar zu verringern
und zum anderen, ob diese Maßnahmen auch die Biodiversität der natürlichen Wälder und den Lebensraum der einheimischen Bevölkerung schützen.

Ein wichtiges Kriterium, um REDD+ wirklich zu legitimieren ist, dass es nicht als Offsetting genutzt wird, das heißt, dass die entwickelten Länder nicht Waldschutz betreiben dürfen, um ihre aktuellen Emissionen zu kompensieren, sondern dass sie zusätzlich zu ihren Ausstoßminderungen auch noch die Waldrodung bekämpfen sollen, um die dort entstehende Treibhausgasemission zu bremsen. Viele Kritiker warnen jedoch davor, dass es ein großes Risiko gibt, dass REDD+ ausschließlich als Offsetting genutzt wird. Wir retten das Klima nämlich nicht, wenn wir jedes Mal einen Baum pflanzen, nachdem wir mit dem Flugzeug in den Urlaub geflogen sind.

Die Messung des Mechanismus ist allerdings einer seiner größten Schwachpunkte. Gemessen und gehandelt wird nämlich nicht mit dem Wald bzw. den Bäumen an sich, sondern mit ihrem Kohlenstoffgehalt. Man kann sich vorstellen, was für ein unglaublicher Aufwand es ist (und weiterhin sein wird), dies für alle unterschiedlichen Waldtypen festzustellen.
Um eine Verringerung der Waldrodung feststellen zu können, braucht man außerdem eine Vergleichsbasis, an der man dies festmachen kann. Also muss zuerst ermittelt werden, wie viel Wald in einer Region „normalerweise“ gerodet wird und ob bestimmte Projekte und politische Regelungen tatsächlich eine Minderung erbracht haben – was wiederum eine große wissenschaftliche Herausforderung ist.

Neben diesen technischen Grundlagen, an denen hart gearbeitet wird, stellt sich die Frage nach den Schritten der Umsetzung. An vorderster Stelle natürlich erst Mal die nach dem lieben Geld, denn zuerst muss die Planung des Mechanismus bezahlt werden, anschließend benötigen die äquatorialen Länder bereits Unterstützung, um „REDD+-ready“ zu werden, also ihren Waldschutz durch Programme und Gesetze vorzubereiten und anschließend muss genügend Geld sicher zugesagt werden, damit die Länder bei der Umsetzung von REDD+-Projekten auch sicher davon ausgehen können, dass sie bei erfolgreicher Realisierung anschließend für ihren Aufwand wirklich entschädigt werden.
An dieser Stelle passiert im Moment zum Glück recht viel. Es ist mittlerweile einiges an Geld zugesagt und auch Deutschland beteiligt sich stark an der Finanzierung.

Der Einfluss der Industrieländer durch REDD+ auf die Entwicklungsländer mit äquatorialem Wald wird allerdings auch sehr zwiespältig gesehen.
Befürworter argumentieren, dass man mit dem Waldschutz drei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Wald wird als Ökosystem und Lebensraum geschützt, die Emission aus der Waldrodung werden vermindert und durch die finanzielle Unterstützung wird gleichzeitig ein Beitrag zu der Entwicklungshilfe in den armen Regionen geleistet.
Gegner sehen jedoch zu viele Fehler und befürchten teilweise katastrophale Auswirkungen bei der Umsetzung: Finanzielle Unterstützung kommt aufgrund von Korruption immer wieder gar nicht an den notwendigen Stellen an. Es werden auf dem gerodetem Naturwaldland Baumplantagen gepflanzt und in den Mechanismus eingerechnet, obwohl sie dem wahren Waldschutz absolut nicht entsprechen. Außerdem gibt es auch Vorkommnisse von Menschenrechtsverletzungen, wenn indigener und ländlicher Bevölkerung der Zugang zu dem Wald untersagt wird, sie teilweise sogar vertrieben wird, obwohl sie von der Nutzung des Waldes mit all seinen Produkten abhängig ist. Ihr traditioneller Zugang zum Wald wird den Betroffenen verboten, obwohl sie dieses Land schon immer bewohnen.
Natürlich muss bei solchen Vorkommnissen die Kritik laut werden, dass wir nicht nur unseren Wohlstand, sondern nun auch unseren Klimaschutz auf dem Rücken von ärmeren Menschen austragen und dabei Moral und Ethik für unseren Selbstzweck ignorieren.
Auch der Fakt, dass wir die Natur in unser marktwirtschaftliches System pressen, ist für viele Kritiker absolut nicht hinnehmbar.

Um bestimmten Problematiken in dem Mechanismus zu begegnen, wurden die „Safeguards“ entwickelt. Dies sind konkrete Kriterien, die mit eingehalten werden müssen, zum Beispiel der Schutz von natürlichen Waldstrukturen und die Achtung der einheimischen Bevölkerung. So sollen die „Nebenwirkungen“ der REDD+-Projekte erkannt und eingeschränkt werden.

Im besten Fall könnte REDD+ ein Baustein bei der Umsetzung der Millenniumsziele sein: Bekämpfung von Armut, Klimawandel und Biodiversitätsverlust.
Um Probleme durch zu schnelles Handeln zu vermeiden, wäre es eine Idee, erst das neue Klima-Abkommen 2020 in Kraft treten zu lassen und danach REDD+ mit einzubringen. So könnte das Konzept bis dahin verbessert werden und wäre wirklich ein Zusatz zu den sowieso nötigen Emissionsreduktionen. Allerdings würde bis dahin auch viel Zeit verloren gehen, in der der Waldschutz schon dringend notwendig ist.

Es gibt also gute Ideen und Ansatzpunkte, aber auch die Gefahr fataler Fehlentwicklungen und Schwierigkeiten.
Ich denke, man sollte versuchen, REDD+ so gut wie möglich zu konzipieren, aber eventuell auch einsehen, dass der Mechanismus nicht funktioniert, wenn die Probleme nicht gelöst werden könne, und ihn dann aufgeben oder neu konzipieren.

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

[Text: Dorothea Epperlein]

Energiewende made in Germany – Gesammelte Perspektiven

Quelle: Wikipedia/Armin Kübelbeck
Quelle: Wikipedia/Armin Kübelbeck

Die Energiewende in Deutschland gilt als Erfolgsmodell und findet weltweit Beachtung. Hier auf der Klimakonferenz habe ich mich auf den Weg gemacht, um Perspektiven von Jugendlichen aus der ganzen Welt und Politikern zu sammeln, wie sie sich die Energieversorgung der Zukunft sehen.

Gesammelte Perspektiven

Wir von der Klimadelegation des Jugendbündnis Zukunftsenergie, die wir uns hier auf der UN Klimakonferenz übrigens mit dem schönen englischen Namen „Youth Alliance for Future Energy“ vorstellen, setzen uns insbesondere auf nationalem Level für eine hundertprozentige Versorgung aus erneuerbaren Energien ein. Dieser Wandel des Energiesystems spielt eine entscheidende Rolle, um internationale Klimaschutzziele erreichen zu können.

So habe ich mich auf den Weg gemacht und die Chance genutzt, dass hier auf der Klimakonferenz nicht nur Verhandlungsdelegationen aus 194 Ländern anwesend sind, sondern auch viele engagierte Jugendliche aus der ganzen Welt, die ich nach eigenen nationalen Energiekonzepten und zur Wahrnehmung der deutschen Energiewende befragte.

Im Gespräch mit Marina aus Neuseeland erfuhr ich, dass beispielsweise der deutsche Weg, seit mehreren Jahren verstärkt auf Energie aus regenerativen Quellen zu setzen, bei ihnen eine große mediale Beachtung finde. Glorifizierend werde Deutschland als Paradebeispiel gesehen, weil aufgrund ingenieurwissenschaftlicher Kompetenzen die Energierevolution erfolgreich gestaltet werden könne. Marina war besonders von dem in neuseeländischen Medien verbreiteten Bild begeistert, auf jedem deutschen Dach befinde sich eine Solaranlage. Dies sei Ausdruck dafür, dass es sich um eine von einzelnen Bürgern ausgehende nationale Massenbewegung handele. Auch politisch war sie davon überzeugt, die Energiewende habe einen Konsens unabhängig von parteipolitischen Ausrichtungen erreicht. Marinas Vision für die Energieversorgung der Zukunft ist, dass in ihrem Land, wo bereits heute ein Großteil des Stroms von Wasserkraftanlagen erzeugt wird, auch Bürger eigene Solaranlagen errichten. So könne ihre „Generation Zero“ gestärkt werden und mit dem Ausbau erneuerbarer Energien einen entscheidenden Beitrag zur Klimabewegung leisten.

Elenore aus Albanien berichtete, dass bei ihr zu Hause bereits seit langer Zeit, auch ohne öffentliche Energiewendediskussion 80 % des nationalen Strombedarfs von Wasserkraftwerken gedeckt wird. Dennoch hat sie die Vision, dass die jetzt schon nachhaltige Energieerzeugung durch weitere Erschließung ungenutzter Potenziale, insbesondere im Solarbereich, gestärkt wird. Ihr Statement zur momentanen Energieerzeugung: „sustainable, but need to improve“.

 

Amena aus Ägypten informierte mich, dass in ihrem Land schon einige Staudämme für grünen Strom sorgen, aber auch, dass die Regierung derzeit zunehmend auf Kohleimporte setzt und sogar neue Kohlekraftwerke plant. Dennoch sieht sie die Chance, dass die große Wüstenfläche des Landes zukünftig intensiver zur Solarstromproduktion genutzt werden könnte. Dabei nimmt sie das deutsche Konzept als Vorbild, genossenschaftlich finanzierte Solaranlagen in Kommunen zu errichten. Darüber hinaus unterstützt sie auch das Desertec-Projekt, denn ihr Statement ist: “any technology that brings sustainable engery, is a good thing“.

Neben diesen exemplarischen Interviews mit Jugendlichen hatten wir auch die Chance mit verschiedenen Politikern, überwiegend aus Deutschland, über diese Thematik zu sprechen.

Dabei betonte Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser aus dem Bundesumweltministerium in ihrem Vortrag, dass international auf Deutschland geschaut werde, ob ein hochindustrialisiertes Land es schaffe, die Energiewende umzusetzen. Sie bezeichnete das gesamtgesellschaftliche Projekt, den Energiesektor zu transformieren, als größte Herausforderung Deutschlands seit dem zweiten Weltkrieg. Die Energiewende werde unsere Gesellschaft grundlegend verändern, indem sie zu mehr Solidarität, Wohlstand und positiven Wandel führe.

Matthias Groote, Vorsitzender des Umweltausschusses des europäischen Parlaments, sieht einen immensen Wettbewerbsvorteil Deutschlands, das bereits so früh auf erneuerbare Energien gesetzt hat. Dabei betonte er, dass dies allein schon in Europa eine Ausnahme darstelle, da in Folge der europäischen Finanzkrise die Wirtschaft in anderen Staaten am Boden liege und so nicht der gleiche Finanzierungsspielraum gegeben sei. Dennoch sieht er die Chance, auch in der Krise, eine Transformation hin zu nachhaltigen Technologien weiter voran zu treiben.

Diese Statements zeigen, dass von Deutschland international erwartet wird, die Energiewende erfolgreich umzusetzen. Viele von uns Jugendlichen haben jedoch den Eindruck, dass der politische und auch gesellschaftliche Enthusiasmus, dieses Ziel wirklich ambitioniert verfolgen zu wollen, ein wenig verloren gegangen ist. So liegt es nun an uns, sich jetzt und in Zukunft für eine ambitionierte und schnelle Realisierung der Energiewende einzusetzen.

[Text: Veronika Glitz]

Keine Kohle für Kohle!

Quelle: PUSH Europe
Quelle: PUSH Europe

Kohle und Klimaschutz geht nicht zusammen. Das wissen doch alle. Oder? Naja – Zumindest glaubt das der Weltkohleverband nicht. Die haben sich nämlich dieses Jahr absurderweise genau in der Zeit der Klimakonferenz Warschau für ihr jährliches Treffen ausgesucht, um ihre “Ideen” von der sauberen Kohlekraft zu verbreiten.

Nun wie soll man das alles bewerten?

Zunächst einmal ist es eine riesen Frechheit der Kohleindustrie, paralell zur Konferenz, bei der versucht wird, das drängendsten Problem, das die Menschheit zu lösen hat, ihren Selbsbeweihräucherrungstanz aufzuführen.

Zweitens ist das 40% Wirkungsgradziel lächerlich. Selbst effizientere Kraftwerke stoßen weiterhin CO2 aus, zwar etwas weniger, aber immer noch genug um dem Klima weiterhin zu schaden. Ausserdem müssten diese Kraftwerke ja noch gebaut werden. So ein Kraftwerk hat eine Laufzeit von ungefähr 40-50 Jahren. Also emittieren diese Kraftwerke weiterhin jahrzehntelang Kohlendioxid, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt schon lange auf den Austoß dieser klimaschädlichen Gasen zum größten Teil verzichten wollten.

Auch die CCS-Technologie, die sich noch nicht mal irgendwo auf der Welt bereits im kommerziellen Gebrauch befindet, ist nichts anderes als ein weiterer Versuch eine veraltete Technologie am Leben zu halten.

Jeder Neubau eines Kohlekraftwerkes, ob mit CO2-Abscheidung oder ohne, steht der Energiewende entgegen. Denn dadurch gehen die notwendigen Innovationen und Investitionen der erneuerbaren Energien verloren.

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Das Konzept von großen zentralen Kraftwerken ist veraltet und behindert den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien. Durch sie wird mit viel Kapital die Infrastruktur auf ein bestimmtes Modell festgelegt, dass sich später auch nur durch einen weiteren großen Kapitaleinsatz wieder umstellen lässt. Das bedeutet, es ist viel effizienter bzw. wirtschaftlicher auf neue Kraftwerke zu verzichten, die bereits vorhandenen Kraftwerke etwas länger am Netz zu behalten, um den Übergang, zu 100% erneuerbaren, zu sichern und den Ausbau der erneuerbaren Energiequellen voran zu treiben. Dies spart in der Gesamtbilanz CO2 ein und ist auch monetär sinnvoller. Es darf kein weiteres Geld für die Zementierung der bestehenden Strukturen ausgegeben werden – keine Kohle für Kohle!

[Text: Christian Nissen]

Breaking News: “Polluters talk, we walk – volveremos”

Quelle: PUSH Europe
Quelle: PUSH Europe

Mehrere hundert Mitglieder verschiedener NGOs verlassen geschlossen die Klima-Konferenz und geben ihren Badges ab. Sie symbolisieren damit ihre Unzufriedenheit über den aktuellen Klimagipfel.

Für die verbleibenden Tage der Klimakonferenz werden sie nicht ins Stadion zurückkehren. Dies bedeutet jedoch NICHT, dass sie sich grundsätzlich und endgültig aus den Verhandlungen zurückziehen wollen. Die NGOs werden auf den nächsten Klimaverhandlungen weiterhin die Stimme der Zivilgesellschaft zu Gehör bringen. Eine weitere Beteiligung der Zivilgesellschaft am internationalen Prozess ist wichtiger als je zuvor, die vorherrschenden Umständen sind jedoch derzeit inakzeptabel.

 Wir kehren dem Prozess nicht den Rücken. Vielmehr möchten wir den Prozess der Klimaverhandlungen vor dem blockierenden Einfluss der großen klimaverschmutzenden Konzerne schützen. Deshalb können wir den Verlauf dieser COP nicht mit tragen.

 Insgesamt motivierten zwei Gründe diesen “Walkout”:

 Rahmenumstände der COP 19:

  1.) Die offiziellen Sponsoring-Partner der COP 19 sind Konzerne mit maßgeblichen Anteilen an Luft- und Umweltverschmutzung, die kein Interesse an einer schnellen Transformation zu klimafreundlichen Technologien haben (u.a. ArcelorMittal, Alstom, BMW).

 2.) Insbesondere der Kohleindustrie, die den größten Anteil an umweltschädlichen Emissionen verursacht, wird durch den parallel laufenden Kohlegipfel vor Ort und bereits beim nicht öffentlichen Pre-COP Treffen ein entscheidender Einfluss auf das Ergebnis der Verhandlungen eingeräumt.

 3.) Polens Umweltminister Korolec, der noch ein weiteres Jahr die Präsidentschaft der COP inne hält, wurde inmitten der Verhandlungen als Minister abgesetzt. Dadurch wird der politische Wille, dem Klimawandel entschlossen entgegenzutreten, weiter an Glaubwürdigkeit. Die Notwendigkeit und Dringlichkeit des Anliegens werden in Frage gestellt.

Inhaltlicher Prozess auf der COP:

Es gibt kein nennenswertes Vorankommen der Verhandlungen:

Auch auf inhaltlicher Ebene wird von der Dringlichkeit im Bereich Klimaschutz nur gesprochen. Konkrete Handlungen bzw. Aktionen folgen jedoch nicht. So blockieren einige mächtige Industriestaaten die zentralen Punkte des Klima-Abkommens wie Finanzierung und Verlust&Schäden. Zudem haben einflussreiche Akteure mit hohen Emissionen wie die EU es versäumt, mit ambitionierten Zielen die Führungsrolle zu übernehmen. Australien und Japan haben ihre verbindlichen Zusagen bezüglich CO²-Einsparungen nachträglich drastisch gesenkt.

 Wenn wir auf diesen Missstand nicht dringend aufmerksam machen, riskieren wir, dass das einzige legitimierte internationale Forum endgültig zu einer Klima-Show wird.

[Text: Dorothea Epperlein]

Wie geht’s weiter? – Die ADP

Endlich ist mal was passiert! Die bisherigen Verhandlungen sind sehr langsam vorangeschritten, am Montag wurde jedoch „ein wichtiger Meilenstein auf einer langen Reise“ gesetzt, so ECO, das Magazin des Climate Action Network (CAN).

Dieser Meilenstein in dem bisher eher fruchtlosen Verhandlungsprozess wurde in der ADP gesetzt. Aber was genau ist die ADP eigentlich?

Im Jahr 2020 wird das Kyoto-Protokoll auslaufen und dann wäre niemand mehr verpflichtet die CO2-Emissionen zu verringern. Da dies nicht geschehen darf, wird ein Nachfolgeabkommen ausgehandelt. Dieses soll bis 2015 feststehen und ab 2020 in Kraft treten.

Die Gruppe, die dafür zuständig ist, heißt „Ad Hoc Working Group on the Durban Platform“ (ADP).

Diese Arbeitsgruppe teilt sich in zwei Verhandlungsstränge auf:

– Workstream I kümmert sich um die Zeit nach 2020

– Workstream II beschäftigt sich mit kurzfristigen Zielen bis 2020.

Wenn es nämlich für die 5 Jahre von 2015 an keine Verpflichtung gibt, würde es zwischen dem alten Kyoto-Protokoll und dem neuen Abkommen eine Ambitionslücke geben, in der kein internationaler Klimaschutz betrieben wird. Workstream II beschäftigt sich damit, dass die Industriestaaten Maßnahmen (in den Bereichen Klimaschutz und Finanzierung) zusätzlich zu den Verpflichtungen des Kyotoprotokolls ergreifen sollten.

In der ADP stehen für Warschau sehr viele wichtige Punkte auf der Tagesordnung u.a. die Einzahlungen in den grünen Klimafonds, der dringend zur Finanzierung der Zusagen gebraucht wird, und die Erhöhung der Reduktionsziele bis 2020.

Es ist wichtig, dass sich die Staaten hier einigen, da der internationale Klimaschutz sonst in den Hintergrund rückt und der Erfolg der gesamten Konferenz gefährdet ist.

Bis jetzt gab es jedoch einen Stillstand. Am Sonntag machte der Präsident der Klimakonferenz einen radikalen Schritt und berief die Vorsitzenden aller Arbeitsgruppen zu sich, um herauszufinden, warum die Konferenz keine nennenswerten Fortschritte erzielt hat und an welchen Stellen schon Konsens besteht. Nach diesem sog. „Stocktaking Plenary“ legten die Leiter der Arbeitsgruppe ADP den Staaten einen ersten Entwurf vor. Dieses Papier ist seitdem die Grundlage der weiteren Gespräche.

Wir hoffen, dass ebendiese Gespräche zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen, sodass der Weltklimagipfel doch noch erfolgreich ist.

[Text: Maya Blasko]

Wer kann jetzt noch behaupten, dass der Klimawandel nicht stattfindet?

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Das IPCC (International Plenary on Climate Change) wurde 1988 gegründet und liefert seit dem die wissenschaftlichen Grundlagen für die Arbeit der UN Klimakonferenz. Die fünfte Veröffentlichung ist dieses Jahr erschienen und umfasst mehrere tausend Seiten Berichte, Diagramme und Auswertung – mit einer eindeutigen Aussage.

Die Working Group I des IPCC ist dabei die Institution, die aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse bündelt und somit eine 100% naturwissenschaftliche Grundlage für die Verhandlungen liefert.

Das IPCC berechnet nach verschiedenen Modellen den voraussichtlichen Temperaturanstieg bis 2100. Dabei gibt es sehr verschiedene Annahmen, die den Szenarien zu Grunde liegen. Faktoren, die mit einbezogen werden, sind z.B. Entwicklung der Weltbevölkerung, Wohlstandsverteilung und Investitionen in erneuerbare Energien. Selbst das optimistischste Model [RCP 2.6], das von einem gesellschaftlichen Umdenken und somit einer Reduktion des CO2 Gehalts der Atmosphäre ausgeht, sagt einen unumkehrbaren Anstieg der globalen Temperatur um 1,0°C ± 0,7°Cvoraus.

Was lernen wir noch aus dem aktuellen IPCC Bericht?

  1. Falls jemand noch daran gezweifelt haben sollte: Der Klimawandel findet eindeutig statt. Jede der letzten drei Dekaden hatte eine höhere Temperatur an der Erdoberfläche als alle vorangegangenen seit 1850.

  2. Während der letzten beiden Dekaden haben die Eisflächen in Grönland und der Antarktis und Gletscher weltweit an Masse verloren, was zum Großteil für Anstieg des Meereswasserspiegels verantwortlich ist.

  3. Die Konzentrationen von CO2, Methan und Nitratoxiden in der Atmosphäre sind so hoch, wie mindestens in den vergangenen 800.000 Jahren nicht mehr.

  4. Es ist sehr wahrscheinlich (d.h. mit einer Wahrscheinlichkeit von 90-100%), dass menschlicher Einfluss der Hauptgrund für die Erderwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist.

  5. Die Erderwärmung wird über 2100 weiter hinaus gehen (bei allen Szenarien außer dem optimistischsten [RCP 2.6]).

Die naturwissenschaftlichen Ergebnisse sind deutlich: der Klimawandel ist kein natürliches „Phänomen“ sondern bittere Realität. Wir brauchen ein faires und ambitioniertes Klimaabkommen, um unseren Planeten für uns und auch für zukünftige Generationen zu erhalten.

 

 [Text: Lara Möllney]

Welche Rolle spielt Deutschland beim Klimaschutz?

Rede bei der Demonstration „Don’t melt our future“ am 15. November 2013 in Stuttgart, Schlossplatz

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Der Klimawandel schreitet voran, er trifft Reiche und Arme, Länder, die viel CO2 ausstoßen wie die USA, und solche, die wenig CO2 ausstoßen, wie gerade die Philippinen. Länder, die wenig CO2 ausstoßen, sind oft besonders stark vom Klimawandel betroffen, so ungerecht geht es auf der Welt zu!
Schon um dieser schreienden Ungerechtigkeit willen, dass Menschen in fernen Ländern oder Menschen in nicht allzu ferner Zukunft die Rechnung für den Klimawandel bezahlen müssen, die für den Klimawandel überhaupt nichts können, müssen wir persönlich und muss die Politik beim Klimaschutz aktiv werden.
Welche Rolle spielt Deutschland beim Klimaschutz? Sind wir das Klimamusterland? Oder doch nur Bremser, wenn es mit dem Klimaschutz ernst wird? Die Antwort wird differenziert ausfallen.

Auf Klimaschutzkonferenzen hat Deutschland oft eine gute Figur gemacht, und die letzte ganz große Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 ist sicher nicht wegen Deutschland gescheitert.

Der wichtigste Beitrag Deutschlands zum Klimaschutz dürfte aber das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) sein. Auch andere Staaten haben die Erneuerbaren Energien frühzeitig gefördert, z. B. Dänemark. Aber Deutschland ist so groß, dass die hier vom EEG eingeleitete Nachfrage vieler Bürgerinnen und Bürger, vieler Landwirtinnen und Landwirte, vieler Bürgerenergiegenossenschaften und Stadtwerken nach Erneuerbaren Energien wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Kosten für Photovoltaikanlagen und für Windräder so drastisch abgenommen haben, dass sie inzwischen an vielen Orten der Welt mit fossilen Energieträgern konkurrieren können. Für Deutschland selbst gilt: „An sehr guten Onshore-Windstandorten produzieren WEA Strom bereits heute zu geringeren Kosten als neue Steinkohle- oder GuD-Kraftwerke.“(Frauenhofer Institut für Solare Energiesysteme Nov. 2013)
Dies ist übrigens ein großer Beitrag zu einer echten Entwicklungshilfe, denn gerade die Entwicklungsländer ächzen unter den Kosten für Kohle, Erdöl und Erdgas und verfügen meistens gar nicht über die Verteilnetze für Energie aus fossilen Großkraftwerken.

Wie wird es in Deutschland mit den Erneuerbaren Energien weitergehen?
Schauen wir doch mal in den Entwurf des Koalitionsvertrags Energie vom 09.11.2013!
Die Einleitung ist schon schön geworden: „Die Energiewende war und ist ein richtiger und notwendiger Schritt auf dem Weg in eine Industriegesellschaft, die dem Gedanken der Nachhaltigkeit und der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet ist. Sie schützt Umwelt und Klima, macht uns unabhängiger von Importen, sichert Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland.“
Doch blättern wir im Vertragsentwurf weiter: „Die konventionellen Kraftwerke (Braunkohle, Steinkohle, Gas) als Teil des nationalen Energiemixes sind auf absehbare Zeit unverzichtbar.“

Weiter dann wird’s ein bisschen kompliziert:
„Es ist mittelfristig ein Kapazitätsmechanismus zu entwickeln, der nicht in erster Linie neue Kraftwerkskapazitäten anreizt, sondern den wirtschaftlichen Betrieb der notwendigen bestehenden Kraftwerke ermöglicht“
Was heißt das denn? Klar ist: Man braucht Energie auch dann, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Dafür braucht man im Hintergrund flexible Kraftwerke. Anbieten würde sich, dass man dazu kleine Blockheizkraftwerke errichtet, die mit Gas betrieben werden und gleichzeitig Wärme fürs Heizen und die Warmwasserversorgung erzeugen. Wenn man das konsequent fördert und umsetzt, sind die bestehenden besonders klimaschädlichen Kohlekraftwerke aber mittelfristig gar nicht notwendig. Dann muss ihr Betrieb aber auch nicht mit einem Kapazitätsmechanismus gefördert werden, ja das darf sogar gar nicht sein, denn sonst würde man ja den klimafreundlichen Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung in Blockheizkraftwerken behindern.
Problematisch ist, dass für den Ausbau der Erneuerbaren Energien ein „Korridor“ festgelegt werden soll, mit einer Obergrenze. Man muss schon sehr darauf achten, dass der Korridor nicht zur Sackgasse für Erneuerbare Energien wird. Schon heute lohnt es sich nicht mehr, Freiflächen-Photovoltaikanlagen zu errichten, weil die Förderung nicht mehr kostendeckend ist. Auch der „Atmende Deckel“, der der über senkende Einspeisevergütungen die Anzahl neu installierter Dachflächenanlagen regeln soll, droht zum atmenden Sargdeckel für die Photovoltaik zu werden.
Das ist nicht die Energiewende, wie wir sie wollen!

Immerhin, die Energieeffizienzrichtlinie der EU soll nun endlich auch in Deutschland umgesetzt werden, was FDP-Minister Rössler bisher verhindert hat. Es wird also mehr Geld für die Wärmedämmung in Gebäuden fließen, und die Produkte sollen ebenfalls effizienter werden.

Am 24.06. diesen Jahres haben Vertreter von EU-Parlament, EU-Kommission und den Regierungen der 27 EU-Staaten einen Kompromiss ausgehandelt, wie viel CO2 die Fahrzeugflotten der Automobilhersteller 2020 noch ausstoßen dürfen. Für 2015 sind es 130 g pro km. Bis 2020 sollen es 95 g CO2 pro km sein, das sind 4,1 l Benzin oder 3,6 l Diesel. Hersteller großer Wagen bekommen einen Zuschlag, Daimler und BMW dürfen 101 g/km erreichen, Fiat nur 89g. Elektoautos werden stärker gewichtet, sie erhalten „Supercredits“. Das Ganze ist ein typischer EU-Kompromiss, weit entfernt etwa von einem Vorschlag Bremens im Bundesrat, den Ausstoß auf 80g/km zu begrenzen. Die Abstimmung im Ministerrat gilt als Formsache.
Doch Daimler und BMW passte dieser wachsweiche Kompromiss nicht. Deren Lobbyisten übten Druck auf die Bundeskanzlerin aus. Und die übte dann Druck auf die Regierungen anderer EU-Staaten aus. Die Autolobbyisten haben laut „Zeit“ die Regierung dazu gebracht, „andere Regierungen zu locken und ihnen zu drohen. Sie schaffen es, ihre Interessen zu denen der deutschen Regierung zu machen.“ Denn um den Kompromiss entgegen aller Gepflogenheiten zu Fall zu bringen, braucht Merkel mindestens vier Länder, die zusammen mindestens 35% der EU-Bevölkerung repräsentieren.
So wurde auf Portugal und die Niederlande massiv Druck ausgeübt: Vertreter der Bundesregierung erinnerten die Portugiesen und die Niederländer daran, dass in ihren Ländern Werke deutscher Hersteller liegen.
Daraufhin haben Portugal und die Niederlande eine Kehrtwendung gemacht und unterstützten das Anliegen der deutschen Regierung. Großbritannien sagte Unterstützung für ein Aufweichung der EU-Politik bei der Bankenregulierung zu. Derzeit sieht es so aus, als sollte die 95g-Regelung um mehrere Jahre, möglicherweise auf 2024, verschoben werden. Dabei wäre es für Daimler und BMW durchaus möglich, die Vorgaben einzuhalten, und sie könnten dabei sogar Wettbewerbsvorteile gegenüber Autos von weniger effizienten Herstellern einfahren! Das sagt z. B. der Autoexperte Prof. Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Eine Aufweichung der Vorgaben berge das Risiko, „dass die Elektromobilität in Europa abstirbt“. Den Berechnungen zufolge würden dann von 2020 bis 2023 in der EU zwischen 900.000 und 1,2 Millionen Elektroautos und Plug-In-Hybride weniger verkauft werden.“ Daimler-Chef Zetsche und BMW-Chef Reithofer gefährden also nicht nur das Klima, sondern darüber hinaus die Arbeitsplätze der Zukunft und werden dabei sogar noch von Betriebsräten und Gewerkschaftsbossen unterstützt!

Wir fordern: Schluss mit dem Industrielobbyismus! Die Bundesregierung muss die Interessen der Menschen und nicht der Konzerne vertreten, die Interessen der Menschen hier und darüber hinaus in den Entwicklungsländern, die Interessen der Menschen heute und darüber hinaus die der Menschen, die in einer hoffentlich nicht zu heißen Zukunft leben werden!
Dafür demonstrieren wir! Dafür setzen wir uns ein!

Was ist was auf der COP

Ich kam mit der nach jetzigen Kenntnissen naiv zu bewertenden Vorstellung nach Warschau, auf einer Klimakonferenz würden den ganzen Tag Delegierte im Plenum diskutieren und verhandeln. Es stellte sich jedoch heraus, dass es hier ganz anders zugeht! Neben dem Plenum gibt es noch eine Vielzahl parallel laufender Aktivitäten, die einen teilweise nicht kleinen Einfluss auf den Verlauf der COP haben. Hier ein kleiner Überblick, damit ihr euch unsere Tage besser vorstellen könnt.

Plenary
Im Eröffnungsplenum nennt jede Nation ihre Aussicht auf den kommenden Gipfel. Im Verlauf der Konferenz wird dort der Ablauf der Konferenz beschlossen. Hier finden die Hauptverhandlungen statt. Meistens machen Nationen dazu schwammige Aussagen darüber, was man alles machen müsste.

Side Events und Workshops
In den vielen Konferenzräumen des Stadions und auch außerhalb finden zahlreiche Veranstaltungen zu Themen rund um Klimapolitik statt. Veranstalter*innen können Firmen sein, Nationen oder auch NGOs. Oft werden dort Best-Practice-Beispiele vorgestellt, es gibt Podiumsdiskussionen oder Forschungsergebnisse werden vorgestellt. Täglich gibt es rund 20 Side-Events, die 90min dauern.

sideevent

Booths (Stände)
Außerdem stellen sich auf dem Konferenz-Gelände ca. 150 verschiedene Firmen, Verbände und Organisationen vor. Das Spektrum reicht von der World World Nuclear Association, dem OECD bis zu Ländervorstellungen (Deutschland verschenkt Plastik-Coffe-to-go-Becher) und kleinen, speziellen NGOs. Hier bekommt man Infomaterial oder kann sich mit einer Vertreter*in unterhalten.

Delegations-Büros und Meeting-Rooms
Hier finden die interne Gespräche statt, zu denen Beobachter*innen meist nicht zugelassen sind.

Was machen wir YOUNGOS dort eigentlich?

Als Youngos nehmen wir an oben genannten Aktivitäten teil, allerdings kommt noch einiges andere hinzu:

Spokescouncil
Jeden Morgen um 8 Uhr beginnt unser einstündiges Spokescouncil. Dort treffen sich Vertreter*innen aller YOUNGO-Organisationen in einem großen Kreis, um gemeinsam im Konsensverfahren Entscheidungen zu treffen. Wir diskutieren, welche Aktionen wir machen, informieren uns gegenseitig über den Stand der Dinge in unseren Delegationen und gehen den Tagesablauf durch.

Working Groups auf der COP19
Wir arbeiten in mehreren Arbeitsgruppen, die sich zum Teil schon vor der COY und COP getroffen haben oder via Skype diskutieren. Auf der COP treffen sie sich meist täglich. Alle Arbeitsgruppen sind offen und agieren nach dem Konsensprinzip.

  • INTEQ
    Diese Gruppe erarbeitet Papers und Lobbystrategien zum Thema intergenerationelle Gerechtigkeit.
  • Loss and Damage
    Diese Gruppe macht Lobbyarbeit zum Thema Loss and Damage.
  • Actions
    Diese Gruppe bereitet eigene Aktionen vor und behält den Überblick über sonstige Aktionen, die von anderen NGOS gemacht werden.
  • Bottomliners
    Diese Gruppe kümmert sich um Grundsätzliches wie Logistik.
  • Human Rights
    Diese Gruppe erarbeitet Strategien, wie die Menschenrechte grundsätzlich im Klimaprozess gestärkt werden können. Speziell in Bezug auf CDM und REDD+.
  • Capacity Building
    Diese Gruppe arbeitet an Bildungsmaßnahmen für uns YOUNGOs.
  • Länder- und Regiongruppen
    Außerdem gibt es Gruppen, die sich auf geografische Regionen beziehen, z.B. den globalen Süden, Afrika oder Asien.
  • Eine komplette Übersicht der Working Groups mit Google-Gruppen hier.

Actions
Wir YOUNGOs sind die einzigen, die Aktionen auf dem COP-Gelände durchführen dürfen. Diese müssen mindestens 24h davor angemeldet werden. Es gibt täglich meist mehrere Aktionen, z.T. der Working Groups. Soziale Medien wie Twitter und Facebook spielen dabei eine große Rolle.

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Öffentlichkeitsarbeit
Wir möchten, dass das was hier passiert, nicht auf der COP bleibt. Deshalb bloggen wir und nutzen soziale Medien, um möglichst aktuell berichten zu können.

Daily Tick
Wie ihr euch jetzt bestimmt vorstellen könnt, verbringen wir oft kaum Zeit im Plenum, um die Verhandlungen zu verfolgen. Deshalb gibt es den Daily Tick: Eine morgendlich kurze Zusammenfassung über den Stand der Dinge im Plenarsaal.

#YoFuGe @COP19 und andere Geschichten

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Wir haben euch (jedenfalls unsere Facebook-UnterstützerInnen) gestern nicht ganz unabsichtlich mit drei ungewöhnlichen Profilbildern verwirrt und wollen unserer verbindlichen Zusage (ja eins der Top-Score-Wörter wenn es um Klimapolitik geht), eine Erklärung zu liefern, selbstverständlich nachkommen…

Machen wir es mal kurz. Es war eben YoFuGeDay hier auf dem Gelände…alles klar? Für die Langsameren unter euch, die es nicht geschafft haben, während die Augen über die drei elegant gesetzten Punkte gleiten, schnell mal eine erfolgreiche Google-Suche übers Smartphone durchzuführen: Dabei handelt es sich weder um ein weiteres rätselhaftes UN-Unter-Sub-Organ – sämtliche Organe sollten nach Kathas druckreifem Glossar ja nun allen bekannt sein -, noch um einen innovativen TwitterHashtag von René, sondern tatsächlich um das ganz offizielle COP-Tagesmotto: „Young and Future Generations Day“. Schönes Motto, würde der eine oder die andere sagen, aber was steckt eigentlich dahinter?

Vielleicht mal hiermit angefangen: Normalerweise dürfen sich nach UN-Regeln, die für die Zeit der COP auf dem Stadiongelände Anwendung finden, nur Volljährige auf dem Gelände aufhalten. Diese Altersbeschränkung wurde heute ausnahmsweise aufgehoben und auch unter 18-jährige konnten sich einen Eindruck von der COP verschaffen. Die offizielle Homepage der COP ließ verlauten: “Young and Future Generations Day is a non-stop celebration of youth power and participation at United Nations climate change conferences”. Eine Non-Stop Feier klingt natürlich für die meisten erstmal angenehm vertraut, aber um Missverständnisse bezüglich unseres heutigen Engagements gleich im Keim zu ersticken, sollten wir vielleicht Näheres berichten. In heiliger Mission also hat Anna entsprechend die Gänge nach YoFuGeDay-Erscheinungen durchkämmt, während andere von uns sich dem inhaltlichen Kernanliegen gewidmet haben– der intergenerationellen Gerechtigkeit – und alle zusammen die Ohren beim offiziellen „Highlight“ des Tages gespitzt haben.

Bei aller „Feierlichkeit“ war der offizielle UN-Jugendstand allerdings verlassen, lediglich allgemeine Broschüren waren bereit, Auskünfte zu geben. Die Konferenz – jedenfalls zumindest ihre Verwirrung – lebt von den round-about hundert „Side-Events“, wozu auch das sogenannte „intergenerational inquiry“ gehörte. Dies war nämlich das große Jugend-Event des Tages – unserer Vermutung nach ergibt sich diese herausragende Stellung unter Umständen schon aus ihrer Konkurrenzlosigkeit. Aber wir wollen mal nicht so sein.

Um 13:15 saßen wir also im Raum „Cracow“ und lauschten der Paneldiskussion, die von einem wirklich interessanten Aufgebot auf dem Podium geführt und durch diverse Fragen aus dem Publikum angereichert wurde. Vorne dabei waren: Nathan [ein 17-Jähriger Aktivist aus Deutschland], Sylvia [eine aus Ghana stammende Jugend-Aktivistin], Christiana […Figueres und UNFCCC-Generalsekretärin, also quasi administrative Chefin der COP], Ahmad […Alhendawi und UN-Jugendbeauftragter] und nicht zuletzt Jacques […Lapouge und „Climate Change Ambassador“ aus Frankreich].

Diskutiert wurde (teilweise) überraschend informell über die Einbindung der Jugend in den Verhandlungsprozess, den Ausschluss von drei jungen AktivistInnen bei der COP und die geteilte Frustration über den chronisch stockenden Verhandlungsprozess. Die Stimmung unter den Jugendlichen gegenüber den zwei UN-Funktionären, insbesondere gegenüber Christiana Figueres, schwankte zwischen Sympathie für die Offenheit und ihre Leidenschaft und Unzufriedenheit mit ihrer Rolle beim Rauswurf der drei AktivistenInnen. Soweit dazu.

Ein kleiner Zeitsprung um etwa drei Stunden zurück und in die Zugänge zu den Plenarsälen. Ganz im Sinne des Spruches „das Beste kommt zum Schluss“, gratuliere ich euch an dieser Stelle für das mühsame oder weniger mühsame Erreichen des Textabschnitts, in dem ihr endlich Aufklärung über die gestrigen Fotos erlangen sollt. Jeder, der am Vormittag seinen Weg in die Verhandlungsräume finden wollte, wurde von einem vermutlich unerwarteten Bild empfangen. Das Jugendnetzwerk YOUNGO, insbesondere die „Working Group on Intergenerational Equity“ [in etwa: intergenerationelle Gerechtigkeit] hatte sich eine öffentlichkeits-wirksame Aktion ausgedacht: Über 30 Jugendliche aus aller Welt (unter anderem unsere unermüdlichen JBZE und SRzG Aktivisten) klebten sich als Zeichen ihres Protests Tape über den Mund und hielten Schilder wie „Born in 2035“ und „Don’t discount our future“. Gleichzeitig verteilten andere Jugendliche an die Umstehenden Informationsmaterial und warben in Gesprächen darum, die Bedürfnisse zukünftiger Generationen bei den Verhandlungen zu integrieren. Die jugendliche „Working Group on Intergenerational Equity“ arbeitet seit Beginn der COP (natürlich auch bereits im Vorfeld) intensiv und unermüdlich an Entwürfen und Vorschlägen, um eine Berücksichtigung des Prinzips der Gerechtigkeit zwischen heutigen und zukünftigen Generationen in Bezug auf die Fragen des globalen Klimawandels zu erreichen. Es fehlt an einer rechtlich-verbindlichen Verankerung der Notwendigkeit, die Welt den zukünftigen Generationen so zu übergeben, dass sie in Bezug auf zur Verfügung stehenden natürliche Ressourcen nicht 10 Meter hinter der Startlinie der vorigen Generation den Lauf beginnen müssen…aber dazu später und in weniger metaphorischer Ausführung mehr 😉

Alles in allem, eine gemischte Bilanz des Tages der jungen und zukünftigen Generationen: Ein minimales, allerdings nicht uninteressantes Programm seitens der UN und ein kreatives und recht erfolgreiches „Outcome“ der YOUNGO Eigeninitiativen.

In Bezug auf die COP kann jedenfalls eine sichtbare Veränderung in Folge des gestrigen Tages schon jetzt verbucht werden…das Hintergrundfoto der UNFCCC Startseite wurde spontan verjüngt. Soweit erstmal. Machts gut.

[Text: Lennart Wegener]

COP19 14-11 (115)