Archiv der Kategorie: Allgemein

In den Startlöchern

Neue Engagierte haben sich gefunden und auch 2015 wird es anlässlich der COP21 in Stuttgart eine Klimademo geben. Das Junge Umweltbündnis Stuttgart hat sich wieder formiert und steckt bereits in den Vorbereitungen.

Wir werden uns an den weltweiten dezentralen Aktionen beteiligen und am 28.11. auf die Straße gehen. Für Klimagerechtigkeit! Für ein verbindliches Pariser Klimabkommen 2015 – und nicht später!

Ihr habt auch Interesse? Dann meldet euch bei reiner.baur@bundjugend-bw.de und marcel@gj-stuttgart.de.

Auf einen aktivistischen Herbst!

Energiewende made in Germany – Gesammelte Perspektiven

Quelle: Wikipedia/Armin Kübelbeck
Quelle: Wikipedia/Armin Kübelbeck

Die Energiewende in Deutschland gilt als Erfolgsmodell und findet weltweit Beachtung. Hier auf der Klimakonferenz habe ich mich auf den Weg gemacht, um Perspektiven von Jugendlichen aus der ganzen Welt und Politikern zu sammeln, wie sie sich die Energieversorgung der Zukunft sehen.

Gesammelte Perspektiven

Wir von der Klimadelegation des Jugendbündnis Zukunftsenergie, die wir uns hier auf der UN Klimakonferenz übrigens mit dem schönen englischen Namen „Youth Alliance for Future Energy“ vorstellen, setzen uns insbesondere auf nationalem Level für eine hundertprozentige Versorgung aus erneuerbaren Energien ein. Dieser Wandel des Energiesystems spielt eine entscheidende Rolle, um internationale Klimaschutzziele erreichen zu können.

So habe ich mich auf den Weg gemacht und die Chance genutzt, dass hier auf der Klimakonferenz nicht nur Verhandlungsdelegationen aus 194 Ländern anwesend sind, sondern auch viele engagierte Jugendliche aus der ganzen Welt, die ich nach eigenen nationalen Energiekonzepten und zur Wahrnehmung der deutschen Energiewende befragte.

Im Gespräch mit Marina aus Neuseeland erfuhr ich, dass beispielsweise der deutsche Weg, seit mehreren Jahren verstärkt auf Energie aus regenerativen Quellen zu setzen, bei ihnen eine große mediale Beachtung finde. Glorifizierend werde Deutschland als Paradebeispiel gesehen, weil aufgrund ingenieurwissenschaftlicher Kompetenzen die Energierevolution erfolgreich gestaltet werden könne. Marina war besonders von dem in neuseeländischen Medien verbreiteten Bild begeistert, auf jedem deutschen Dach befinde sich eine Solaranlage. Dies sei Ausdruck dafür, dass es sich um eine von einzelnen Bürgern ausgehende nationale Massenbewegung handele. Auch politisch war sie davon überzeugt, die Energiewende habe einen Konsens unabhängig von parteipolitischen Ausrichtungen erreicht. Marinas Vision für die Energieversorgung der Zukunft ist, dass in ihrem Land, wo bereits heute ein Großteil des Stroms von Wasserkraftanlagen erzeugt wird, auch Bürger eigene Solaranlagen errichten. So könne ihre „Generation Zero“ gestärkt werden und mit dem Ausbau erneuerbarer Energien einen entscheidenden Beitrag zur Klimabewegung leisten.

Elenore aus Albanien berichtete, dass bei ihr zu Hause bereits seit langer Zeit, auch ohne öffentliche Energiewendediskussion 80 % des nationalen Strombedarfs von Wasserkraftwerken gedeckt wird. Dennoch hat sie die Vision, dass die jetzt schon nachhaltige Energieerzeugung durch weitere Erschließung ungenutzter Potenziale, insbesondere im Solarbereich, gestärkt wird. Ihr Statement zur momentanen Energieerzeugung: „sustainable, but need to improve“.

 

Amena aus Ägypten informierte mich, dass in ihrem Land schon einige Staudämme für grünen Strom sorgen, aber auch, dass die Regierung derzeit zunehmend auf Kohleimporte setzt und sogar neue Kohlekraftwerke plant. Dennoch sieht sie die Chance, dass die große Wüstenfläche des Landes zukünftig intensiver zur Solarstromproduktion genutzt werden könnte. Dabei nimmt sie das deutsche Konzept als Vorbild, genossenschaftlich finanzierte Solaranlagen in Kommunen zu errichten. Darüber hinaus unterstützt sie auch das Desertec-Projekt, denn ihr Statement ist: “any technology that brings sustainable engery, is a good thing“.

Neben diesen exemplarischen Interviews mit Jugendlichen hatten wir auch die Chance mit verschiedenen Politikern, überwiegend aus Deutschland, über diese Thematik zu sprechen.

Dabei betonte Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser aus dem Bundesumweltministerium in ihrem Vortrag, dass international auf Deutschland geschaut werde, ob ein hochindustrialisiertes Land es schaffe, die Energiewende umzusetzen. Sie bezeichnete das gesamtgesellschaftliche Projekt, den Energiesektor zu transformieren, als größte Herausforderung Deutschlands seit dem zweiten Weltkrieg. Die Energiewende werde unsere Gesellschaft grundlegend verändern, indem sie zu mehr Solidarität, Wohlstand und positiven Wandel führe.

Matthias Groote, Vorsitzender des Umweltausschusses des europäischen Parlaments, sieht einen immensen Wettbewerbsvorteil Deutschlands, das bereits so früh auf erneuerbare Energien gesetzt hat. Dabei betonte er, dass dies allein schon in Europa eine Ausnahme darstelle, da in Folge der europäischen Finanzkrise die Wirtschaft in anderen Staaten am Boden liege und so nicht der gleiche Finanzierungsspielraum gegeben sei. Dennoch sieht er die Chance, auch in der Krise, eine Transformation hin zu nachhaltigen Technologien weiter voran zu treiben.

Diese Statements zeigen, dass von Deutschland international erwartet wird, die Energiewende erfolgreich umzusetzen. Viele von uns Jugendlichen haben jedoch den Eindruck, dass der politische und auch gesellschaftliche Enthusiasmus, dieses Ziel wirklich ambitioniert verfolgen zu wollen, ein wenig verloren gegangen ist. So liegt es nun an uns, sich jetzt und in Zukunft für eine ambitionierte und schnelle Realisierung der Energiewende einzusetzen.

[Text: Veronika Glitz]

Keine Kohle für Kohle!

Quelle: PUSH Europe
Quelle: PUSH Europe

Kohle und Klimaschutz geht nicht zusammen. Das wissen doch alle. Oder? Naja – Zumindest glaubt das der Weltkohleverband nicht. Die haben sich nämlich dieses Jahr absurderweise genau in der Zeit der Klimakonferenz Warschau für ihr jährliches Treffen ausgesucht, um ihre “Ideen” von der sauberen Kohlekraft zu verbreiten.

Nun wie soll man das alles bewerten?

Zunächst einmal ist es eine riesen Frechheit der Kohleindustrie, paralell zur Konferenz, bei der versucht wird, das drängendsten Problem, das die Menschheit zu lösen hat, ihren Selbsbeweihräucherrungstanz aufzuführen.

Zweitens ist das 40% Wirkungsgradziel lächerlich. Selbst effizientere Kraftwerke stoßen weiterhin CO2 aus, zwar etwas weniger, aber immer noch genug um dem Klima weiterhin zu schaden. Ausserdem müssten diese Kraftwerke ja noch gebaut werden. So ein Kraftwerk hat eine Laufzeit von ungefähr 40-50 Jahren. Also emittieren diese Kraftwerke weiterhin jahrzehntelang Kohlendioxid, obwohl wir zu diesem Zeitpunkt schon lange auf den Austoß dieser klimaschädlichen Gasen zum größten Teil verzichten wollten.

Auch die CCS-Technologie, die sich noch nicht mal irgendwo auf der Welt bereits im kommerziellen Gebrauch befindet, ist nichts anderes als ein weiterer Versuch eine veraltete Technologie am Leben zu halten.

Jeder Neubau eines Kohlekraftwerkes, ob mit CO2-Abscheidung oder ohne, steht der Energiewende entgegen. Denn dadurch gehen die notwendigen Innovationen und Investitionen der erneuerbaren Energien verloren.

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Das Konzept von großen zentralen Kraftwerken ist veraltet und behindert den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien. Durch sie wird mit viel Kapital die Infrastruktur auf ein bestimmtes Modell festgelegt, dass sich später auch nur durch einen weiteren großen Kapitaleinsatz wieder umstellen lässt. Das bedeutet, es ist viel effizienter bzw. wirtschaftlicher auf neue Kraftwerke zu verzichten, die bereits vorhandenen Kraftwerke etwas länger am Netz zu behalten, um den Übergang, zu 100% erneuerbaren, zu sichern und den Ausbau der erneuerbaren Energiequellen voran zu treiben. Dies spart in der Gesamtbilanz CO2 ein und ist auch monetär sinnvoller. Es darf kein weiteres Geld für die Zementierung der bestehenden Strukturen ausgegeben werden – keine Kohle für Kohle!

[Text: Christian Nissen]

Breaking News: “Polluters talk, we walk – volveremos”

Quelle: PUSH Europe
Quelle: PUSH Europe

Mehrere hundert Mitglieder verschiedener NGOs verlassen geschlossen die Klima-Konferenz und geben ihren Badges ab. Sie symbolisieren damit ihre Unzufriedenheit über den aktuellen Klimagipfel.

Für die verbleibenden Tage der Klimakonferenz werden sie nicht ins Stadion zurückkehren. Dies bedeutet jedoch NICHT, dass sie sich grundsätzlich und endgültig aus den Verhandlungen zurückziehen wollen. Die NGOs werden auf den nächsten Klimaverhandlungen weiterhin die Stimme der Zivilgesellschaft zu Gehör bringen. Eine weitere Beteiligung der Zivilgesellschaft am internationalen Prozess ist wichtiger als je zuvor, die vorherrschenden Umständen sind jedoch derzeit inakzeptabel.

 Wir kehren dem Prozess nicht den Rücken. Vielmehr möchten wir den Prozess der Klimaverhandlungen vor dem blockierenden Einfluss der großen klimaverschmutzenden Konzerne schützen. Deshalb können wir den Verlauf dieser COP nicht mit tragen.

 Insgesamt motivierten zwei Gründe diesen “Walkout”:

 Rahmenumstände der COP 19:

  1.) Die offiziellen Sponsoring-Partner der COP 19 sind Konzerne mit maßgeblichen Anteilen an Luft- und Umweltverschmutzung, die kein Interesse an einer schnellen Transformation zu klimafreundlichen Technologien haben (u.a. ArcelorMittal, Alstom, BMW).

 2.) Insbesondere der Kohleindustrie, die den größten Anteil an umweltschädlichen Emissionen verursacht, wird durch den parallel laufenden Kohlegipfel vor Ort und bereits beim nicht öffentlichen Pre-COP Treffen ein entscheidender Einfluss auf das Ergebnis der Verhandlungen eingeräumt.

 3.) Polens Umweltminister Korolec, der noch ein weiteres Jahr die Präsidentschaft der COP inne hält, wurde inmitten der Verhandlungen als Minister abgesetzt. Dadurch wird der politische Wille, dem Klimawandel entschlossen entgegenzutreten, weiter an Glaubwürdigkeit. Die Notwendigkeit und Dringlichkeit des Anliegens werden in Frage gestellt.

Inhaltlicher Prozess auf der COP:

Es gibt kein nennenswertes Vorankommen der Verhandlungen:

Auch auf inhaltlicher Ebene wird von der Dringlichkeit im Bereich Klimaschutz nur gesprochen. Konkrete Handlungen bzw. Aktionen folgen jedoch nicht. So blockieren einige mächtige Industriestaaten die zentralen Punkte des Klima-Abkommens wie Finanzierung und Verlust&Schäden. Zudem haben einflussreiche Akteure mit hohen Emissionen wie die EU es versäumt, mit ambitionierten Zielen die Führungsrolle zu übernehmen. Australien und Japan haben ihre verbindlichen Zusagen bezüglich CO²-Einsparungen nachträglich drastisch gesenkt.

 Wenn wir auf diesen Missstand nicht dringend aufmerksam machen, riskieren wir, dass das einzige legitimierte internationale Forum endgültig zu einer Klima-Show wird.

[Text: Dorothea Epperlein]

Wie geht’s weiter? – Die ADP

Endlich ist mal was passiert! Die bisherigen Verhandlungen sind sehr langsam vorangeschritten, am Montag wurde jedoch „ein wichtiger Meilenstein auf einer langen Reise“ gesetzt, so ECO, das Magazin des Climate Action Network (CAN).

Dieser Meilenstein in dem bisher eher fruchtlosen Verhandlungsprozess wurde in der ADP gesetzt. Aber was genau ist die ADP eigentlich?

Im Jahr 2020 wird das Kyoto-Protokoll auslaufen und dann wäre niemand mehr verpflichtet die CO2-Emissionen zu verringern. Da dies nicht geschehen darf, wird ein Nachfolgeabkommen ausgehandelt. Dieses soll bis 2015 feststehen und ab 2020 in Kraft treten.

Die Gruppe, die dafür zuständig ist, heißt „Ad Hoc Working Group on the Durban Platform“ (ADP).

Diese Arbeitsgruppe teilt sich in zwei Verhandlungsstränge auf:

– Workstream I kümmert sich um die Zeit nach 2020

– Workstream II beschäftigt sich mit kurzfristigen Zielen bis 2020.

Wenn es nämlich für die 5 Jahre von 2015 an keine Verpflichtung gibt, würde es zwischen dem alten Kyoto-Protokoll und dem neuen Abkommen eine Ambitionslücke geben, in der kein internationaler Klimaschutz betrieben wird. Workstream II beschäftigt sich damit, dass die Industriestaaten Maßnahmen (in den Bereichen Klimaschutz und Finanzierung) zusätzlich zu den Verpflichtungen des Kyotoprotokolls ergreifen sollten.

In der ADP stehen für Warschau sehr viele wichtige Punkte auf der Tagesordnung u.a. die Einzahlungen in den grünen Klimafonds, der dringend zur Finanzierung der Zusagen gebraucht wird, und die Erhöhung der Reduktionsziele bis 2020.

Es ist wichtig, dass sich die Staaten hier einigen, da der internationale Klimaschutz sonst in den Hintergrund rückt und der Erfolg der gesamten Konferenz gefährdet ist.

Bis jetzt gab es jedoch einen Stillstand. Am Sonntag machte der Präsident der Klimakonferenz einen radikalen Schritt und berief die Vorsitzenden aller Arbeitsgruppen zu sich, um herauszufinden, warum die Konferenz keine nennenswerten Fortschritte erzielt hat und an welchen Stellen schon Konsens besteht. Nach diesem sog. „Stocktaking Plenary“ legten die Leiter der Arbeitsgruppe ADP den Staaten einen ersten Entwurf vor. Dieses Papier ist seitdem die Grundlage der weiteren Gespräche.

Wir hoffen, dass ebendiese Gespräche zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen, sodass der Weltklimagipfel doch noch erfolgreich ist.

[Text: Maya Blasko]

Wer kann jetzt noch behaupten, dass der Klimawandel nicht stattfindet?

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Das IPCC (International Plenary on Climate Change) wurde 1988 gegründet und liefert seit dem die wissenschaftlichen Grundlagen für die Arbeit der UN Klimakonferenz. Die fünfte Veröffentlichung ist dieses Jahr erschienen und umfasst mehrere tausend Seiten Berichte, Diagramme und Auswertung – mit einer eindeutigen Aussage.

Die Working Group I des IPCC ist dabei die Institution, die aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse bündelt und somit eine 100% naturwissenschaftliche Grundlage für die Verhandlungen liefert.

Das IPCC berechnet nach verschiedenen Modellen den voraussichtlichen Temperaturanstieg bis 2100. Dabei gibt es sehr verschiedene Annahmen, die den Szenarien zu Grunde liegen. Faktoren, die mit einbezogen werden, sind z.B. Entwicklung der Weltbevölkerung, Wohlstandsverteilung und Investitionen in erneuerbare Energien. Selbst das optimistischste Model [RCP 2.6], das von einem gesellschaftlichen Umdenken und somit einer Reduktion des CO2 Gehalts der Atmosphäre ausgeht, sagt einen unumkehrbaren Anstieg der globalen Temperatur um 1,0°C ± 0,7°Cvoraus.

Was lernen wir noch aus dem aktuellen IPCC Bericht?

  1. Falls jemand noch daran gezweifelt haben sollte: Der Klimawandel findet eindeutig statt. Jede der letzten drei Dekaden hatte eine höhere Temperatur an der Erdoberfläche als alle vorangegangenen seit 1850.

  2. Während der letzten beiden Dekaden haben die Eisflächen in Grönland und der Antarktis und Gletscher weltweit an Masse verloren, was zum Großteil für Anstieg des Meereswasserspiegels verantwortlich ist.

  3. Die Konzentrationen von CO2, Methan und Nitratoxiden in der Atmosphäre sind so hoch, wie mindestens in den vergangenen 800.000 Jahren nicht mehr.

  4. Es ist sehr wahrscheinlich (d.h. mit einer Wahrscheinlichkeit von 90-100%), dass menschlicher Einfluss der Hauptgrund für die Erderwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist.

  5. Die Erderwärmung wird über 2100 weiter hinaus gehen (bei allen Szenarien außer dem optimistischsten [RCP 2.6]).

Die naturwissenschaftlichen Ergebnisse sind deutlich: der Klimawandel ist kein natürliches „Phänomen“ sondern bittere Realität. Wir brauchen ein faires und ambitioniertes Klimaabkommen, um unseren Planeten für uns und auch für zukünftige Generationen zu erhalten.

 

 [Text: Lara Möllney]

#YoFuGe @COP19 und andere Geschichten

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Wir haben euch (jedenfalls unsere Facebook-UnterstützerInnen) gestern nicht ganz unabsichtlich mit drei ungewöhnlichen Profilbildern verwirrt und wollen unserer verbindlichen Zusage (ja eins der Top-Score-Wörter wenn es um Klimapolitik geht), eine Erklärung zu liefern, selbstverständlich nachkommen…

Machen wir es mal kurz. Es war eben YoFuGeDay hier auf dem Gelände…alles klar? Für die Langsameren unter euch, die es nicht geschafft haben, während die Augen über die drei elegant gesetzten Punkte gleiten, schnell mal eine erfolgreiche Google-Suche übers Smartphone durchzuführen: Dabei handelt es sich weder um ein weiteres rätselhaftes UN-Unter-Sub-Organ – sämtliche Organe sollten nach Kathas druckreifem Glossar ja nun allen bekannt sein -, noch um einen innovativen TwitterHashtag von René, sondern tatsächlich um das ganz offizielle COP-Tagesmotto: „Young and Future Generations Day“. Schönes Motto, würde der eine oder die andere sagen, aber was steckt eigentlich dahinter?

Vielleicht mal hiermit angefangen: Normalerweise dürfen sich nach UN-Regeln, die für die Zeit der COP auf dem Stadiongelände Anwendung finden, nur Volljährige auf dem Gelände aufhalten. Diese Altersbeschränkung wurde heute ausnahmsweise aufgehoben und auch unter 18-jährige konnten sich einen Eindruck von der COP verschaffen. Die offizielle Homepage der COP ließ verlauten: “Young and Future Generations Day is a non-stop celebration of youth power and participation at United Nations climate change conferences”. Eine Non-Stop Feier klingt natürlich für die meisten erstmal angenehm vertraut, aber um Missverständnisse bezüglich unseres heutigen Engagements gleich im Keim zu ersticken, sollten wir vielleicht Näheres berichten. In heiliger Mission also hat Anna entsprechend die Gänge nach YoFuGeDay-Erscheinungen durchkämmt, während andere von uns sich dem inhaltlichen Kernanliegen gewidmet haben– der intergenerationellen Gerechtigkeit – und alle zusammen die Ohren beim offiziellen „Highlight“ des Tages gespitzt haben.

Bei aller „Feierlichkeit“ war der offizielle UN-Jugendstand allerdings verlassen, lediglich allgemeine Broschüren waren bereit, Auskünfte zu geben. Die Konferenz – jedenfalls zumindest ihre Verwirrung – lebt von den round-about hundert „Side-Events“, wozu auch das sogenannte „intergenerational inquiry“ gehörte. Dies war nämlich das große Jugend-Event des Tages – unserer Vermutung nach ergibt sich diese herausragende Stellung unter Umständen schon aus ihrer Konkurrenzlosigkeit. Aber wir wollen mal nicht so sein.

Um 13:15 saßen wir also im Raum „Cracow“ und lauschten der Paneldiskussion, die von einem wirklich interessanten Aufgebot auf dem Podium geführt und durch diverse Fragen aus dem Publikum angereichert wurde. Vorne dabei waren: Nathan [ein 17-Jähriger Aktivist aus Deutschland], Sylvia [eine aus Ghana stammende Jugend-Aktivistin], Christiana […Figueres und UNFCCC-Generalsekretärin, also quasi administrative Chefin der COP], Ahmad […Alhendawi und UN-Jugendbeauftragter] und nicht zuletzt Jacques […Lapouge und „Climate Change Ambassador“ aus Frankreich].

Diskutiert wurde (teilweise) überraschend informell über die Einbindung der Jugend in den Verhandlungsprozess, den Ausschluss von drei jungen AktivistInnen bei der COP und die geteilte Frustration über den chronisch stockenden Verhandlungsprozess. Die Stimmung unter den Jugendlichen gegenüber den zwei UN-Funktionären, insbesondere gegenüber Christiana Figueres, schwankte zwischen Sympathie für die Offenheit und ihre Leidenschaft und Unzufriedenheit mit ihrer Rolle beim Rauswurf der drei AktivistenInnen. Soweit dazu.

Ein kleiner Zeitsprung um etwa drei Stunden zurück und in die Zugänge zu den Plenarsälen. Ganz im Sinne des Spruches „das Beste kommt zum Schluss“, gratuliere ich euch an dieser Stelle für das mühsame oder weniger mühsame Erreichen des Textabschnitts, in dem ihr endlich Aufklärung über die gestrigen Fotos erlangen sollt. Jeder, der am Vormittag seinen Weg in die Verhandlungsräume finden wollte, wurde von einem vermutlich unerwarteten Bild empfangen. Das Jugendnetzwerk YOUNGO, insbesondere die „Working Group on Intergenerational Equity“ [in etwa: intergenerationelle Gerechtigkeit] hatte sich eine öffentlichkeits-wirksame Aktion ausgedacht: Über 30 Jugendliche aus aller Welt (unter anderem unsere unermüdlichen JBZE und SRzG Aktivisten) klebten sich als Zeichen ihres Protests Tape über den Mund und hielten Schilder wie „Born in 2035“ und „Don’t discount our future“. Gleichzeitig verteilten andere Jugendliche an die Umstehenden Informationsmaterial und warben in Gesprächen darum, die Bedürfnisse zukünftiger Generationen bei den Verhandlungen zu integrieren. Die jugendliche „Working Group on Intergenerational Equity“ arbeitet seit Beginn der COP (natürlich auch bereits im Vorfeld) intensiv und unermüdlich an Entwürfen und Vorschlägen, um eine Berücksichtigung des Prinzips der Gerechtigkeit zwischen heutigen und zukünftigen Generationen in Bezug auf die Fragen des globalen Klimawandels zu erreichen. Es fehlt an einer rechtlich-verbindlichen Verankerung der Notwendigkeit, die Welt den zukünftigen Generationen so zu übergeben, dass sie in Bezug auf zur Verfügung stehenden natürliche Ressourcen nicht 10 Meter hinter der Startlinie der vorigen Generation den Lauf beginnen müssen…aber dazu später und in weniger metaphorischer Ausführung mehr 😉

Alles in allem, eine gemischte Bilanz des Tages der jungen und zukünftigen Generationen: Ein minimales, allerdings nicht uninteressantes Programm seitens der UN und ein kreatives und recht erfolgreiches „Outcome“ der YOUNGO Eigeninitiativen.

In Bezug auf die COP kann jedenfalls eine sichtbare Veränderung in Folge des gestrigen Tages schon jetzt verbucht werden…das Hintergrundfoto der UNFCCC Startseite wurde spontan verjüngt. Soweit erstmal. Machts gut.

[Text: Lennart Wegener]

COP19 14-11 (115)

Poland flops food supply – much to learn you have Mister Korolec!

Erfoeffnungsveranstaltung

Neben dem, dass die Polen aufgrund ihrer besonderen Beziehung zur Kohleindustrie die Ausrichtung des „World Coal Summit“ parallel zu der von der Kohlelobby und Energiesünder gesponserten Klimakonferenz stattfinden lassen und damit stark an Glaubwürdigkeit bezüglich ihrer Klima-Ambitionen verlieren, schafft es die polnische Regierung noch nicht einmal hier im Stadion eine halbwegs ökologische und nachhaltige Verpflegung auf die Beine zu stellen.

So finden sich zwar super-schicke COP19-Banner und Auskunftschilder mit im modern-green-eco-style gehaltenen Corporate Design an den Wänden des Stadions, jedoch besteht keine Chance hier auch nur ansatzweise eine andere Limonade als den üblichen Coca Cola & Pepsikram zu bekommen. Sogar das Wasser wird von Nestlé höchst persönlich geliefert, während regionale Lieferanten dem Konzern bestimmt in Sachen Qualität oder Lieferkapazität in nichts nachgestanden hätten.

Auch der von den größten Energiesündern Europas, wie Arcelor Mittal (energieintensivster Stahlproduzent Europas) und PGE (größter Energieversorger Polens), gesponserte Empfang in der „Biblioteka Uniwersytetu Warszawskiego“ floppte Polen in Sachen Vegetarier-/Veganerfreundlichkeit. Weiterhin wurde der Begriff„Interkulturelle Kompetenz“ quasi aus dem Vokabular der Speisekarte gestrichen. Weder gab es Hinweise darauf, was nun wirklich in den Pastetchen verarbeitet wurde, noch konnte einem der Kellner Auskunft über die Leckereien geben. So musste ein muslimischer Delegierter auf seinen Snack verzichten, da ihm der junge Kellner, total überfordert bei der Frage „ob da Schweinfleisch drin sei?“, keine Antwort geben konnte.

Nicht, dass wir als Jugenddelegation große Ansprüche an die Essensversorgung stellen wollen und jetzt wieder in die typischen Ernährungs- und Minderheitendiskussion zu fallen drohen. Das Beispiel spiegelt jedoch sehr gut wieder, inwieweit hier ein Bewusstsein für Fragen nach ökologischer und klimafreundlicher Ernährung sowie Empathie gegenüber anderer Kulturen und Religionen besteht. Gerade bei der Ausrichtung des wichtigsten Öko-Gipfels sollte man so etwas erwarten können, während es mittlerweile sogar Festivals wie das Shambala Festival schaffen, sich z.B. aus fast 100% Erneuerbaren Energien zu versorgen oder ein Plastikverbot zu verhängen ohne dabei auch nur annähernd auf Geschmack, Qualität oder Ästhetik verzichten zu müssen.

Hier besteht also Verbesserungspotenzial! Und wir können nur hoffen, dass die zukünftigen Veranstalter der COP, als Zentrum der weltweiten Klimabewegung, mit gutem Beispiel voran gehen und ihre Konferenz zukünftig nach den nachhaltigen Prinzipien organisieren, die sie selbst auf politischer Ebene zu implementieren versuchen.

[Text: Maximilian Fröhlich]

The_Sponsers_of_the_COP19

Was die YOUNGOs gerade aufregt

Bild: Flickr, UNclimatechange
Bild: Flickr, UNclimatechange

Die Kohleindustrie hat hier in Warschau wohl ein bisschen zu viel ihre Finger im Spiel.

Schon bevor die Conference of Youth startete, vernetzten sich die Jugendlichen der ganzen Welt, um sich vorzubereiten und sich gegenseitig zu informieren, welche Themen besonders für die jungen Generation auf der Klimakonferenz wichtig sein werden und welche Standpunkte die YOUNGOs vertreten wollen.Ein Thema wurde dabei besonders heftig diskutiert: auf dem gleichzeitig zur COP stattfindenden International Coal & Climate Summit wurde Christiana Figueres, die Generalsekräterin des UN-Klimasekretariats, eingeladen eine Rede zu halten – und das finden die Jugendlichen hier ganz und gar nicht cool.

Schon alleine der Fakt, dass Polen, obwohl es als Land, dass sowieso schon kritisiert wird, weil es zu über 90% auf Kohlestrom setzt und trotzdem die Klimakonferenz ausrichtet, auch noch in der zweiten Verhandlungswoche – in der es immer besonders hoch her geht – den „International Coal & Climate Summit“ ausrichtet, ist nun wirklich die Höhe.

Wenn diese großen Konferenzen gleichzeitig stattfinden, wird befürchtet, dass das notwendige Interesse und die Aufmerksamkeit für den Klimagipfel abgeschwächt werden. Ja, die Jugendlichen gehen sogar so weit, Polen vorzuwerfen, dass den Klimaverhandlungen damit auch wertvolle Energie gestohlen wird – zum Beispiel, wenn die Vorsitzende des UN-Klimasekretariat sich die Zeit nimmt auf der Kohlekonferenz zu sprechen, obwohl ihre Anwesenheit auf der Klimakonferenz so sehr gebraucht wird.

Die YOUNGOs sind eigentlich überzeugt von Frau Figueres guter Arbeit, denn sie hat die Jugend bei den Klimakonferenzen und im ganzen Kampf gegen den Klimawandel immer sehr ernst genommen und toll unterstützt. Umso schockierter waren wir alle, dass sie jetzt mit genau den Unternehmen spricht, die das größte Hindernis auf dem Weg zu einem Planeten mit erneuerbaren, also emissionslosen Energien sind.

In einem offenen Brief wurde Christiana Figueres von YOUNGO aufgefordert, sich für die Zukunft und gegen die Kohle zu entscheiden: wir luden sie ein, bei der Jugendkonferenz zu sprechen, wenn sie dafür allerdings nicht beim Kohlegipfel auftreten würde.

Bedauerlicherweise sagte sie uns tatsächlich ab.

Ihre Argumente, konnten wir allerdings gar nicht nachvollziehen: Sie meinte, dass „wir Brücken bauen müssen, die über den Kreis unserer Freunde hinaus reichen, vor allem, wenn diese ganz besonders an der Suche nach einer Lösung beteiligt sein können und sollen. (…) Wir müssen uns auch vorbereiten, in unserem Kampf zur globalen

Emissionsreduktion mit denen in eine offene Debatte zu treten, die, bis jetzt, mit ihren Handlungen und Meinungen nicht“ zu einer Klimarettung beigetragen haben.

Was soll das denn bedeuten? Will sie uns tatsächlich weismachen, dass die Kohleindustrie auf irgendeine Weise in unserem aktuellen Kampf gegen den Ausstoß von Treibhausgasen beitragen kann?

Wenn sie auf einem Verkehrs-Gipfel sprechen würde, würde ich einen Sinn darin sehen, denn der Transport-Sektor kann sich ändern und nachhaltig werden. Jedoch die Kohle bleibt die Kohle und die Leute, die damit ihre Kohle verdienen werden sicher nicht aufhören, diese zu verbrennen – und damit unsere Atmosp

häre zu verpesten.

Auch wenn noch so fortschrittliche Techniken erfunden werden, die Strom aus „sauberer Kohle“ (dieser Euphemismus darf bitte stark angezweifelt werden) produzieren, hält solche Forschung nur die notwendigen Mittel auf, die es braucht, um jetzt so schnell wie möglich auf die Erneuerbaren umzusteigen.

Ich kann mir nicht vorstellen, was

auf dem Kohle-Gipfel sagen möchte.

„Könntet ihr bitte aufhören Kohle für die Energieversorgung zu fördern? Wir versuchen da drüben in dem großen Stadion nämlich gerade unsere Atmosphäre zu retten. Dankeschön!“

Dieses Vorkommnis und der Fakt, dass die ganze COP von so vielen absolut unnachhaltigen Unternehmen gesponsert wird, lässt doch viel zu offensichtlich erkennen, wie sehr Polen hier bei der COP mittlerweile versucht die Lobby dieser Wirtschaftszweige in die Verhandlungen einfließen zu lassen, die bisher am meisten an der Verschmutzung der Atmosphäre beteiligt waren – und es auch weiterhin sein werden, solange da das schnelle Geld fließt.

Wir wollen, dass für einen wirklichen Fortschritt, alle Kräfte auf erfolgreiche Verhandlungen gebündelt werden und die Industrien der fossilen Energieträger dabei nicht im Weg stehen. Ich glaube, dass die Klimaverhandlung uns voranbringen kann, wenn sich auf die wirklich wichtigen Punkte konzentriert wird.

Die Links zu dem Briefwechsel findet ihr hier:

Der offene Brief von YOUNGO

pusheurope.org/coy9/en/open-letter-conditional-invitation-pscee/

Die Antwort von Christiana Figueres

www.earthinbrackets.org/2013/11/10/the-executive-secretary-strikes-back/

Die Pressemitteilung von YOUNGO

youthclimate.org/press-release-fossil-fuel-industry-sets-the-agenda-for-unfccc-executive-secretary-476922/

Der offene Brief der NGOs

www.greenpeace.org/international/Global/international/briefings/climate/COP19/Open-Letter-Christiana-Figueres.pdf

[Text: Dorothea Epperlein]