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Die Rolle der Wälder im Klimaschutz

Quelle: NASA
Quelle: NASA

– handeln wir mit CO2 oder schon mit Menschenrechten?

Die Wälder dieser Welt sind die grüne Lunge unseres Planeten. Unseren lebensnotwendigen Sauerstoff verdanken wir den Pflanzen, die dagegen für die Aufrechterhaltung ihres Organismus Kohlenstoffdioxid aufnehmen. Als Teil des globalen CO2-Kreislaufes nehmen sie damit auch automatisch eine wichtige Rolle in der Klimawandeldiskussion ein: einerseits tragen unsere Waldrodungen zu 20 % zur Treibhausgasemission bei, anderseits können Wälder das CO2, dass sie aus der Atmosphäre entziehen, lange speichern und somit als Treibhausgassenken dienen.

 Ganz klar, diese zwei wichtigen Funktionen dürfen im Klimaschutz also nicht außen vor gelassen werden, weshalb 2007 auf der Klimakonferenz in Bali der „REDD-Mechanismus“ für die äquatorialen Wälder konzipiert wurde, der später einmal in das Klimaabkommen eingearbeitet werden soll.

 REDD bedeutet „Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degredation“, aber schon bald wurde erkannt, dass man sich nicht nur auf die verschwindenden Wälder beziehen darf, weshalb mit einem angehängten „+“ auch noch Waldaufforstung und nachhaltige Waldbewirtschaftung aufgenommen wurde.

Und um es einmal lapidar auszudrücken: damit platzt das Programm auch schon aus allen Nähten.

Ein Wald ist ein unglaublich diverses Ökosystem und nicht einfach ein CO2-Speicher, wenn er wächst und ein CO2-Emittent, wenn er gefällt wird. Er ist Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen und stellt Wasser, Nahrung und Holz zu Verfügung, ist für uns ein Ort der Erholung, für indigene Völker sogar ein Teil ihrer Kultur und Religion. Und ganz ehrlich, auf einer moralischen Ebene sollte man sich zudem bewusst machen, dass Natur auch einen intrinsischen Wert besitzt, also eine pure Daseinsberechtigung, die über ihren messbaren Nutzen für den Menschen hinausgeht. Zu diesen ganzen Funktionen kommt hinzu, dass Wald in verschiedenen Gebieten der Erde ganz unterschiedlich gestaltet ist (Baumhöhe und -dichte, Schichtung und Diversität), verschiedenen administrativen Ordnungen unterstellt und sehr unterschiedlich genutzt wird.

Der Plan ist es, mit dem REDD+-Mechanismus Wäldern einen finanziellen Wert zuzuschreiben, sodass Abholzen quasi dem Verbrennen von Geld gleichkommt. Industrielle Länder können dann für ihren nationalen Klimaschutz Waldschutz oder -aufforstungsprogramme in äquatorialen Ländern finanzieren.

Allerdings werden diese Maßnahmen sehr kritisch gesehen:
zum einen, ist fraglich ob sie wirklich eine Wirkung haben, die Treibhausgasemission messbar zu verringern
und zum anderen, ob diese Maßnahmen auch die Biodiversität der natürlichen Wälder und den Lebensraum der einheimischen Bevölkerung schützen.

Ein wichtiges Kriterium, um REDD+ wirklich zu legitimieren ist, dass es nicht als Offsetting genutzt wird, das heißt, dass die entwickelten Länder nicht Waldschutz betreiben dürfen, um ihre aktuellen Emissionen zu kompensieren, sondern dass sie zusätzlich zu ihren Ausstoßminderungen auch noch die Waldrodung bekämpfen sollen, um die dort entstehende Treibhausgasemission zu bremsen. Viele Kritiker warnen jedoch davor, dass es ein großes Risiko gibt, dass REDD+ ausschließlich als Offsetting genutzt wird. Wir retten das Klima nämlich nicht, wenn wir jedes Mal einen Baum pflanzen, nachdem wir mit dem Flugzeug in den Urlaub geflogen sind.

Die Messung des Mechanismus ist allerdings einer seiner größten Schwachpunkte. Gemessen und gehandelt wird nämlich nicht mit dem Wald bzw. den Bäumen an sich, sondern mit ihrem Kohlenstoffgehalt. Man kann sich vorstellen, was für ein unglaublicher Aufwand es ist (und weiterhin sein wird), dies für alle unterschiedlichen Waldtypen festzustellen.
Um eine Verringerung der Waldrodung feststellen zu können, braucht man außerdem eine Vergleichsbasis, an der man dies festmachen kann. Also muss zuerst ermittelt werden, wie viel Wald in einer Region „normalerweise“ gerodet wird und ob bestimmte Projekte und politische Regelungen tatsächlich eine Minderung erbracht haben – was wiederum eine große wissenschaftliche Herausforderung ist.

Neben diesen technischen Grundlagen, an denen hart gearbeitet wird, stellt sich die Frage nach den Schritten der Umsetzung. An vorderster Stelle natürlich erst Mal die nach dem lieben Geld, denn zuerst muss die Planung des Mechanismus bezahlt werden, anschließend benötigen die äquatorialen Länder bereits Unterstützung, um „REDD+-ready“ zu werden, also ihren Waldschutz durch Programme und Gesetze vorzubereiten und anschließend muss genügend Geld sicher zugesagt werden, damit die Länder bei der Umsetzung von REDD+-Projekten auch sicher davon ausgehen können, dass sie bei erfolgreicher Realisierung anschließend für ihren Aufwand wirklich entschädigt werden.
An dieser Stelle passiert im Moment zum Glück recht viel. Es ist mittlerweile einiges an Geld zugesagt und auch Deutschland beteiligt sich stark an der Finanzierung.

Der Einfluss der Industrieländer durch REDD+ auf die Entwicklungsländer mit äquatorialem Wald wird allerdings auch sehr zwiespältig gesehen.
Befürworter argumentieren, dass man mit dem Waldschutz drei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Wald wird als Ökosystem und Lebensraum geschützt, die Emission aus der Waldrodung werden vermindert und durch die finanzielle Unterstützung wird gleichzeitig ein Beitrag zu der Entwicklungshilfe in den armen Regionen geleistet.
Gegner sehen jedoch zu viele Fehler und befürchten teilweise katastrophale Auswirkungen bei der Umsetzung: Finanzielle Unterstützung kommt aufgrund von Korruption immer wieder gar nicht an den notwendigen Stellen an. Es werden auf dem gerodetem Naturwaldland Baumplantagen gepflanzt und in den Mechanismus eingerechnet, obwohl sie dem wahren Waldschutz absolut nicht entsprechen. Außerdem gibt es auch Vorkommnisse von Menschenrechtsverletzungen, wenn indigener und ländlicher Bevölkerung der Zugang zu dem Wald untersagt wird, sie teilweise sogar vertrieben wird, obwohl sie von der Nutzung des Waldes mit all seinen Produkten abhängig ist. Ihr traditioneller Zugang zum Wald wird den Betroffenen verboten, obwohl sie dieses Land schon immer bewohnen.
Natürlich muss bei solchen Vorkommnissen die Kritik laut werden, dass wir nicht nur unseren Wohlstand, sondern nun auch unseren Klimaschutz auf dem Rücken von ärmeren Menschen austragen und dabei Moral und Ethik für unseren Selbstzweck ignorieren.
Auch der Fakt, dass wir die Natur in unser marktwirtschaftliches System pressen, ist für viele Kritiker absolut nicht hinnehmbar.

Um bestimmten Problematiken in dem Mechanismus zu begegnen, wurden die „Safeguards“ entwickelt. Dies sind konkrete Kriterien, die mit eingehalten werden müssen, zum Beispiel der Schutz von natürlichen Waldstrukturen und die Achtung der einheimischen Bevölkerung. So sollen die „Nebenwirkungen“ der REDD+-Projekte erkannt und eingeschränkt werden.

Im besten Fall könnte REDD+ ein Baustein bei der Umsetzung der Millenniumsziele sein: Bekämpfung von Armut, Klimawandel und Biodiversitätsverlust.
Um Probleme durch zu schnelles Handeln zu vermeiden, wäre es eine Idee, erst das neue Klima-Abkommen 2020 in Kraft treten zu lassen und danach REDD+ mit einzubringen. So könnte das Konzept bis dahin verbessert werden und wäre wirklich ein Zusatz zu den sowieso nötigen Emissionsreduktionen. Allerdings würde bis dahin auch viel Zeit verloren gehen, in der der Waldschutz schon dringend notwendig ist.

Es gibt also gute Ideen und Ansatzpunkte, aber auch die Gefahr fataler Fehlentwicklungen und Schwierigkeiten.
Ich denke, man sollte versuchen, REDD+ so gut wie möglich zu konzipieren, aber eventuell auch einsehen, dass der Mechanismus nicht funktioniert, wenn die Probleme nicht gelöst werden könne, und ihn dann aufgeben oder neu konzipieren.

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

[Text: Dorothea Epperlein]

Welche Rolle spielt Deutschland beim Klimaschutz?

Rede bei der Demonstration „Don’t melt our future“ am 15. November 2013 in Stuttgart, Schlossplatz

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Der Klimawandel schreitet voran, er trifft Reiche und Arme, Länder, die viel CO2 ausstoßen wie die USA, und solche, die wenig CO2 ausstoßen, wie gerade die Philippinen. Länder, die wenig CO2 ausstoßen, sind oft besonders stark vom Klimawandel betroffen, so ungerecht geht es auf der Welt zu!
Schon um dieser schreienden Ungerechtigkeit willen, dass Menschen in fernen Ländern oder Menschen in nicht allzu ferner Zukunft die Rechnung für den Klimawandel bezahlen müssen, die für den Klimawandel überhaupt nichts können, müssen wir persönlich und muss die Politik beim Klimaschutz aktiv werden.
Welche Rolle spielt Deutschland beim Klimaschutz? Sind wir das Klimamusterland? Oder doch nur Bremser, wenn es mit dem Klimaschutz ernst wird? Die Antwort wird differenziert ausfallen.

Auf Klimaschutzkonferenzen hat Deutschland oft eine gute Figur gemacht, und die letzte ganz große Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 ist sicher nicht wegen Deutschland gescheitert.

Der wichtigste Beitrag Deutschlands zum Klimaschutz dürfte aber das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) sein. Auch andere Staaten haben die Erneuerbaren Energien frühzeitig gefördert, z. B. Dänemark. Aber Deutschland ist so groß, dass die hier vom EEG eingeleitete Nachfrage vieler Bürgerinnen und Bürger, vieler Landwirtinnen und Landwirte, vieler Bürgerenergiegenossenschaften und Stadtwerken nach Erneuerbaren Energien wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Kosten für Photovoltaikanlagen und für Windräder so drastisch abgenommen haben, dass sie inzwischen an vielen Orten der Welt mit fossilen Energieträgern konkurrieren können. Für Deutschland selbst gilt: „An sehr guten Onshore-Windstandorten produzieren WEA Strom bereits heute zu geringeren Kosten als neue Steinkohle- oder GuD-Kraftwerke.“(Frauenhofer Institut für Solare Energiesysteme Nov. 2013)
Dies ist übrigens ein großer Beitrag zu einer echten Entwicklungshilfe, denn gerade die Entwicklungsländer ächzen unter den Kosten für Kohle, Erdöl und Erdgas und verfügen meistens gar nicht über die Verteilnetze für Energie aus fossilen Großkraftwerken.

Wie wird es in Deutschland mit den Erneuerbaren Energien weitergehen?
Schauen wir doch mal in den Entwurf des Koalitionsvertrags Energie vom 09.11.2013!
Die Einleitung ist schon schön geworden: „Die Energiewende war und ist ein richtiger und notwendiger Schritt auf dem Weg in eine Industriegesellschaft, die dem Gedanken der Nachhaltigkeit und der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet ist. Sie schützt Umwelt und Klima, macht uns unabhängiger von Importen, sichert Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland.“
Doch blättern wir im Vertragsentwurf weiter: „Die konventionellen Kraftwerke (Braunkohle, Steinkohle, Gas) als Teil des nationalen Energiemixes sind auf absehbare Zeit unverzichtbar.“

Weiter dann wird’s ein bisschen kompliziert:
„Es ist mittelfristig ein Kapazitätsmechanismus zu entwickeln, der nicht in erster Linie neue Kraftwerkskapazitäten anreizt, sondern den wirtschaftlichen Betrieb der notwendigen bestehenden Kraftwerke ermöglicht“
Was heißt das denn? Klar ist: Man braucht Energie auch dann, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Dafür braucht man im Hintergrund flexible Kraftwerke. Anbieten würde sich, dass man dazu kleine Blockheizkraftwerke errichtet, die mit Gas betrieben werden und gleichzeitig Wärme fürs Heizen und die Warmwasserversorgung erzeugen. Wenn man das konsequent fördert und umsetzt, sind die bestehenden besonders klimaschädlichen Kohlekraftwerke aber mittelfristig gar nicht notwendig. Dann muss ihr Betrieb aber auch nicht mit einem Kapazitätsmechanismus gefördert werden, ja das darf sogar gar nicht sein, denn sonst würde man ja den klimafreundlichen Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung in Blockheizkraftwerken behindern.
Problematisch ist, dass für den Ausbau der Erneuerbaren Energien ein „Korridor“ festgelegt werden soll, mit einer Obergrenze. Man muss schon sehr darauf achten, dass der Korridor nicht zur Sackgasse für Erneuerbare Energien wird. Schon heute lohnt es sich nicht mehr, Freiflächen-Photovoltaikanlagen zu errichten, weil die Förderung nicht mehr kostendeckend ist. Auch der „Atmende Deckel“, der der über senkende Einspeisevergütungen die Anzahl neu installierter Dachflächenanlagen regeln soll, droht zum atmenden Sargdeckel für die Photovoltaik zu werden.
Das ist nicht die Energiewende, wie wir sie wollen!

Immerhin, die Energieeffizienzrichtlinie der EU soll nun endlich auch in Deutschland umgesetzt werden, was FDP-Minister Rössler bisher verhindert hat. Es wird also mehr Geld für die Wärmedämmung in Gebäuden fließen, und die Produkte sollen ebenfalls effizienter werden.

Am 24.06. diesen Jahres haben Vertreter von EU-Parlament, EU-Kommission und den Regierungen der 27 EU-Staaten einen Kompromiss ausgehandelt, wie viel CO2 die Fahrzeugflotten der Automobilhersteller 2020 noch ausstoßen dürfen. Für 2015 sind es 130 g pro km. Bis 2020 sollen es 95 g CO2 pro km sein, das sind 4,1 l Benzin oder 3,6 l Diesel. Hersteller großer Wagen bekommen einen Zuschlag, Daimler und BMW dürfen 101 g/km erreichen, Fiat nur 89g. Elektoautos werden stärker gewichtet, sie erhalten „Supercredits“. Das Ganze ist ein typischer EU-Kompromiss, weit entfernt etwa von einem Vorschlag Bremens im Bundesrat, den Ausstoß auf 80g/km zu begrenzen. Die Abstimmung im Ministerrat gilt als Formsache.
Doch Daimler und BMW passte dieser wachsweiche Kompromiss nicht. Deren Lobbyisten übten Druck auf die Bundeskanzlerin aus. Und die übte dann Druck auf die Regierungen anderer EU-Staaten aus. Die Autolobbyisten haben laut „Zeit“ die Regierung dazu gebracht, „andere Regierungen zu locken und ihnen zu drohen. Sie schaffen es, ihre Interessen zu denen der deutschen Regierung zu machen.“ Denn um den Kompromiss entgegen aller Gepflogenheiten zu Fall zu bringen, braucht Merkel mindestens vier Länder, die zusammen mindestens 35% der EU-Bevölkerung repräsentieren.
So wurde auf Portugal und die Niederlande massiv Druck ausgeübt: Vertreter der Bundesregierung erinnerten die Portugiesen und die Niederländer daran, dass in ihren Ländern Werke deutscher Hersteller liegen.
Daraufhin haben Portugal und die Niederlande eine Kehrtwendung gemacht und unterstützten das Anliegen der deutschen Regierung. Großbritannien sagte Unterstützung für ein Aufweichung der EU-Politik bei der Bankenregulierung zu. Derzeit sieht es so aus, als sollte die 95g-Regelung um mehrere Jahre, möglicherweise auf 2024, verschoben werden. Dabei wäre es für Daimler und BMW durchaus möglich, die Vorgaben einzuhalten, und sie könnten dabei sogar Wettbewerbsvorteile gegenüber Autos von weniger effizienten Herstellern einfahren! Das sagt z. B. der Autoexperte Prof. Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Eine Aufweichung der Vorgaben berge das Risiko, „dass die Elektromobilität in Europa abstirbt“. Den Berechnungen zufolge würden dann von 2020 bis 2023 in der EU zwischen 900.000 und 1,2 Millionen Elektroautos und Plug-In-Hybride weniger verkauft werden.“ Daimler-Chef Zetsche und BMW-Chef Reithofer gefährden also nicht nur das Klima, sondern darüber hinaus die Arbeitsplätze der Zukunft und werden dabei sogar noch von Betriebsräten und Gewerkschaftsbossen unterstützt!

Wir fordern: Schluss mit dem Industrielobbyismus! Die Bundesregierung muss die Interessen der Menschen und nicht der Konzerne vertreten, die Interessen der Menschen hier und darüber hinaus in den Entwicklungsländern, die Interessen der Menschen heute und darüber hinaus die der Menschen, die in einer hoffentlich nicht zu heißen Zukunft leben werden!
Dafür demonstrieren wir! Dafür setzen wir uns ein!

COP, UNFCC und GHGs – Wtf?!

Als ich begann, mich auf die Klimakonferenz vorzubereiten war ich mit unzähligen Begriffen, Akronymen und Abkürzungen konfrontiert und ich hatte oft keinen Plan. Leider führen diese nicht nur dazu, dass sich eine kleine Gruppe Menschen schnell und klar verständigen kann, sondern auch dazu, dass ein Großteil von uns nichts versteht und dann beim Thema aussteigt. Um es euch zu erleichtern, unsere Blogeinträge und die Berichterstattung rund um die Klimakonferenz zu verfolgen, hier eine alphabetische Liste mit den wichtigen Begriffen rund um internationale Klimapolitik.
Hinweis zur Benutzung: Je nachdem, wie intensiv und mit welchen Quellen (unser Blog, Medienberichte, akademische Texte, Deutsch oder Englisch) du dich informierst, wirst du über manche hier erwähnten Begriffe stoßen oder nicht. Bloß nicht verrückt machen (lassen), du musst lange nicht alle Begriffe kennen, um mitreden und handeln zu können! Die Fülle der Begriffe ist als Angebot an diejenigen unter euch zu verstehen, die mehr wissen möchten. Wenn du Feedback oder Fragen hast, bitte einfach kommentieren.

Ambitionslücke
Lücke, die den Unterschied zwischen den jetzt vorliegenden Zusagen der einzelnen Staaten und den Emissionsreduzierungen, die eigentlich bis 2020 erforderlich wären bezeichnet.

Annex-I-Staaten
Der Anhang I der Klimarahmenkonvention beinhaltet alle Länder, die sich im Kontext der Klimarahmenkonvention verpflichtet haben, ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2000 auf das Niveau von 1990 zu reduzieren. Dazu gehören die OECD-Staaten des Jahres 1992 (westeuropäische Staaten, Türkei, USA, Kanada, Japan, Australien und Neuseeland) sowie die mittel- und osteuropäischen Transformationsländer (zentral- und osteuropäische Länder sowie die ehemaligen Sowjet-Republiken). Der Begriff wird oft synonym mit „Industrieländer“ verwendet.

Annex-II-Staaten
Der Anhang II der Klimarahmenkonvention beinhaltet alle industrialisierten OECD-Staaten des Jahres 1992, also die Annex-I-Länder ohne die Transformationsländer. Die Annex-II-Länder haben sich dazu verpflichtet, finanzielle Mittel bereitzustellen, um den Entwicklungsländern bei der Emissionsreduzierung zu helfen. Außerdem sollen sie den Transfer umweltfreundlicher Technologien in Entwicklungs- und Transformationsländer unterstützen.

Annex-B-Staaten
Der Anhang B des Kyoto-Protokolls von 1997 beinhaltet alle Länder, die sich im Rahmen dieses Protokolls zu konkreten Emissionsreduzierungen in der ersten Periode (2008-2012) verpflichtet haben. Dazu gehören die Annex-I-Länder ohne Weißrussland und die Türkei, zusätzlich Kroatien, Slowenien, Monaco und Liechtenstein.
ADP, steht für Ad-Hoc Working Group on the Durban Platform, deutsch: Ad-hoc-Arbeitsgruppe zur Durban Platform
Diese Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Erarbeitung eines internationalen Klimaabkommens. Sie ist in zwei Arbeitsbereiche (Englisch: Workstreams) gegliedert.

  • Workstream 1 (2015 agreement)
    Beschäftigt sich mit einem rechtlich verbindlichen Protokoll für 2015, das die neuen Reduktionsziele festschreibt.
  • Workstream 2 (pre-2020-ambition)
    Die Arbeitsgruppe, die sich damit befasst, welche Maßnahmen (in den Bereichen Klimaschutz und Finanzierung)zusätzlich zu den Verpflichtungen des Kyotoprotokolls von den Annex-II Staaten ergriffen werden sollen.

anthropogen
Ist ein Ausdruck der „vom Menschen gemacht“ bedeutet. Laut dem Weltklimarat ist es virtuell sicher, dass das auf den Klimawandel zutrifft. Dennoch gibt es vor allem in den USA Menschen, die den Klimawandel leugnen oder behaupten, er sei völlig natürlich.

AOSIS, steht für Alliance of Small Island States, deutsch: Allianz kleiner Inselstaaten
Bündnis kleiner Inselstaaten, die durch einen Anstieg des Meeresspiegels in Folge einer globalen Erwärmung besonders bedroht sind.

Inselstaat

AWG-KP, steht für Ad Hoc Working Group on Further Commitments for Annex I Parties under the Kyoto Protocol, deutsch: Ad-hoc-Arbeitsgruppe zur Vereinbarung zukünftiger Verpflichtungen unter dem Kyoto-Protokoll
Die AWG-LCA wurde im Dezember 2005 in Montréal (COP11) ins Leben gerufen, um die Verpflichtungen der Mitglieder entsprechend dem Kyoto-Protokoll auszuhandeln. Sie hatte 187 Mitglieder, darunter China, nicht aber die USA. Das Mandat der Gruppe wurde ebenfalls verlängert, da in Kopenhagen (COP15) keine Einigung erzielt werden konnte.

AWG-LCA, steht für Ad Hoc Working Group on Long-term Cooperative Action, deutsch: Ad-hoc-Arbeitsgruppe unter der Klimarahmenkonvention
Arbeitsgruppe, in der seit 1994 alle Länder der Klimarahmenkovention arbeiten. Seither sind 194 Länder beigetreten. Da fast alle Länder der Welt in der Klimarahmenkonvention vereint sind, spielten in der AWG-LCA insbesondere die Länder, die nicht im Rahmen des Kyoto-Protokolls verhandelten, eine große Rolle: die USA und die Entwicklungsländer. Wie auch die Kyoto-Gruppe, sollte die AWG-LCA bis zum Weltklimagipfel in Kopenhagen Ende 2009 ihre Arbeit abschließen. Nachdem in Kopenhagen (COP15) keine Einigung erzielt worden war, wurde das Mandat der Gruppe verlängert.

Bottom-Up vs. Bottom-down
Diese Begriffe beziehen sich auf den Grad der Verpflichtung des neuen Klimaabkommen für 1015. „Bottom-Up“ heißt, dass die Staaten eigene, nicht-verpflichtende freiwillige Ziele zur Emissionsreduzierung angeben. Dieser Ansatz wird vor allem von den USA gestärkt. „Bottom down“ beschreibt die Methode, eine gemeinsames globales Reduktionsziel aufzustellen, das dann zwischen den Staaten aufgeteilt wird.

CAN(-I), steht für: Climate Action Network(-International), deutsch: Klima-Aktionsnetzwerk(-International)
Das Climate Action Network(-International) ist ein Bündnis von über 700 verschiedenen NGOs aus 95 Ländern. Auf der COP gibt es einen täglichen Newsletter, ECO, heraus, um das wichtigste des Vortags aus Sicht der NGOs zusammenzufassen.

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CBDR-RC, steht für: Common but Differentiated Responsibilities and Respective Capabilities
Ein fundamentals Prinzip der Konvention, das beschreibt, dass alle Länder unterschiedliche Voraussetzungen, aber eine gemeinsame Verantwortung, ihre Emissionen zu reduzieren, haben. Dieser Ansatz erkennt an, das Industriestaaten eine historische Verantwortung haben, da sie über eine lange Zeit weit höhere Emissionen hatten und haben als Schwellen- und Entwicklungsländer. Gleichzeitig haben die mehr Ressourcen (technologischer und finanzieller Art), um ihren Ausstoß zu senken.

CDM, steht für Clean Development Mechanisms, deutsch: Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung
Der CDM ist ein Instrument des Kyotoprotokolls. Industriestaaten können damit Projekte zur Treibhausgasreduktion in Entwicklungsländern finanzieren und sich die Reduktion als eigene Reduktion gutschreiben lassen. Damit ist DCM markt-basiert. CDM soll dabei helfen, die Kosten zum Erreichen der vertraglich festgelegten Reduktionsziele möglichst niedrig zu halten und gleichzeitig die nachhaltige Entwicklung voranzubringen. Investoren aus den Industriestaaten können damit Maßnahmen in Entwicklungsländern finanzieren und sogenannte CER-Zertifikate generieren, um eigene Klimaschäden auszugleichen, statt sie im eigenen Land vermeiden zu müssen. CDM birgt einige, zum Teil gravierende Schwierigkeiten. Mehr Infos dazu hier.

CMP, steht für Conference of the Parties Serving as the Meeting of the Parties
Seit 1995 treffen sich während der COPs auch die Unterzeichnerstaaten des Kyoto-Protokolls (MOP). Dementsprechend hinkt die CMP auch 10 Jahre hinter der COP her. Dieses Jahr ist folglich die CMP9.
COP, steht für Conference of Parties, deutsch: UN-Klimakonferenz
Die COPs finden einmal jährlich statt, dieses Jahr ist die neunzehnte (=COP 19). Die Gastgeberländer wechseln. Außerdem sind im Frühling jeden Jahres Zwischenverhandlungen in Bonn.

Copenhagen-Accord, deutsch Übereinkunft von Kopenhagen
Der Copenhagen Accord ist das Abschlussdokument der COP15, die in Kopenhagen stattfand. Erstmals wird darin die wissenschaftliche Meinung anerkannt, dass eine „gefährliche menschgemachte Störung des Klimasystems“ nur verhindert werden kann, wenn die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius Globaltemperatur begrenzt wird.

EEG, steht für Erneuerbar- Energien-Gesetz
Das EEG ist ein Instrument zur Förderung erneuerbarer Energien. Deutschland war bei Einführung des Gesetzes die weltweit erste Nation, die ein solches Förderinstrument einsetzte. Bis Anfang 2012 orientierten sich 65 Länder weltweit am EEG und übernahmen wesentliche Prinzipien des Gesetzes. Ziel des im Jahr 2000 in Kraft getretenen Erneuerbare-Energien-Gesetzes war die Verdoppelung des Anteils regenerativ erzeugten Stroms in Deutschland bis 2010. Die damalige rot-grüne Bundesregierung verpflichtete die Netzbetreiber zur Abnahme von Strom aus Wind-, Biomasse-, Erdwärme-, Wasser- oder Sonnenkraftwerken. Da die Mehrkosten von den Verbrauchern getragen werden, handelt es sich nicht um eine staatliche Subvention. Auf diese Art tragen alle Verbraucher entsprechend ihrem Stromverbrauch zur Energiewende bei.

Emissionshandel
Umgangssprachliche Zusammenfassung der flexiblen Mechanismen des Kyotoprotokolls. Dazu gehören

  • Cap and Trade
    Für einen bestimmten Zeitraum werden den Annex-B-Staaten eine gewisse Anzahl an Emissionserlaubnissen zugeteilt. Dazu werden die sechs wichtigsten Treibhausgase in Tonnen CO2-Äquivalente umgerechnet. Innerhalb der EU geben die Regierungen diese in Form von Emissions-Budgets an bestimmte Industriezweige oder Produktionsstandorte weiter. Insgesamt soll die Zahl der Emissionserlaubnisse stetig reduziert werden („cap“), dadurch soll der Klimaschutzeffekt gesichert werden. Der Handel mit diesen Emissionserlaubnissen („trade“) soll den Mechanismus flexibler und kostengünstiger gestalten. Problematisch dabei: Es gibt keinen globalen „cap“!
  • Offsetting
    Offsets sind Investitionen, die die eigene Emettierung von Treibhausgasen durch emissionsreduzierende Maßnahmen in anderen Ländern (vor allem im globalen Süden) kompensieren soll,

Staaten können durch diese flexiblen Mechanismen ihr eigenes Reduktionsziel erreichen, ohne selbst weniger Treibhausgase zu emittieren. Das wichtigste Kriterium besteht dabei in der Zusätzlichkeit des Projekts: Dabei ist gemeint, das nur Projekte angerechnet werden können, die ohne JIs oder CDM nicht zustande gekommen wären.

Fracking
Fracking ist ein Verfahren, durch das unkonventionelles Gas (= Gas in tiefliegenden Erdschichten) gefördert werden kann. Dazu werden unter hohem Druck Wasser, Sand und Chemikalien in den Erdboden gepresst. Mehr hier.

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GHGs, steht für GreenHouse Gases, deutsch: Treibhausgase
Gase wie z.B. Kohlendioxid und Methan, die durch die Industrialisierung ihren Anteil in der Atmosphäre stark vergrößert haben. Diese führt zum Anstieg der Erdtemperatur, die wiederum Folgen wie das Schmelzen der Polarkappen, Versäuerung der Ozeane, Desertifikation und den Anstieg des Meeresspiegels hat.

Globaler Süden/ Globaler Norden
Unter Globaler Süden wird die Ländergruppe der Entwicklungs- und Schwellenländer genannt.Die Länder des Globalen Nordens stehen dagegen für die reichen Industrieländer. Der Begriff Nord/Süd wird somit abgelöst von seiner (relativen) geographischen Bedeutung verwendet und versteht sich als neutraler Begriff als Ersatz für die wertende Bezeichnung Entwicklungs- und Schwellenländer (oder veralteter erste, zweite und dritte Welt). (Text von Wikipedia.de)

HFCs, steht für Hydrofluorocarbons, deutsch: Fluor-Kohlenwasserstoffe
Besonders klimawirksame Gase. Das birgt die Gefahr, dass sie bis 2050 für rund 20% der Erderwämung verantwortlich sein könnten.

IGO, steht für: Intergovernmental Organization, deutsch: Zwischenstaatliche Organisation
Eine staatliche, aber internationale Organisation. Darunter fallen zum Beispiel die NATO oder Weltbank.

INTEQ, steht für INTergenerational Equity, deutsch: Intergenerationelle Gerechtigkeit
Dieses Prinzip geht davon aus, dass alle Generationen Partner*innen in der Nutzung der Erde sind, aber auch darin, auf den Planeten zu achten. Jede Generation muss die Erde und unsere natürlichen und kulturellen Ressourcen in einem mindestens genauso guten Zustand für spätere Generationen hinterlassen wie sie diese vorgefunden haben. Wir als YOUNGOS setzen uns dafür ein, dass das Prinzip in einem neuen Klimaabkommen verwurzelt wird.

IPCC, steht für Intergovermental Panel on Climate Change, deutsch: Welt-Klimarat
Der Welt-Klimarat ist eine Gruppe von ca. 2000 Wissenschaftlern, die zum Klimawandel forschen. Es gibt 3 Arbeitsgruppen: Die erste beschäftigt sich mit der physikalischen Basis der Vorgänge in unserer Atmosphäre. Die zweite mit möglichen Auswirkungen, Anpassung daran und der Verletzlichkeit verschiedener Ökosysteme. Die dritte mit geeigneten Verminderungs-Maßnahmen. Alle 6 Jahre gibt der Welt-Klimarat einen neuen Bericht heraus, der als objektive Informationsquelle unumstritten ist.

JIs, steht für Joint Implemenation, deutsch: gemeinsame Umsetzung
Die JI ist ein weiterer Mechanismus zur Reduktion von Schadstoffemissionen. Hiermit können Reduktionszertifikate von einem Annex-B-Staat auf den anderen übertragen werden. Geschaffen wurde JI vor allem mit Blick auf die osteuropäischen Länder. (Text von klimaschutz-ist-menschenrecht.de)

KP, steht für: Kyoto-Protocol, deutsch: Kyoto-Protokoll
Das Kyoto-Protokoll ist ein 1997 in der japanischen Kaiserstadt Kyoto verabschiedetes Zusatzprotokoll zur Ausgestaltung der UN-Klimarahmenkonvention. Das Kyoto-Protokoll sah erstmals konkrete Reduktionsziele in einer Verpflichtungsperiode der Jahre 2008 bis 2012 für die sechs wichtigsten Treibhausgase vor, und zwar eine Reduktion um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber dem Bezugsjahr 1990.
Die Verhandler*innen hatten allerdings ein Quorum für das Inkrafttreten festgelegt. Danach konnte das Kyoto-Protokoll erst in Kraft treten, als mindestens 55 Staaten das Protokoll in nationales Recht umgesetzt hatten, die mindestens 55 Prozent der weltweiten Emissionen vereinten. Wegen dieser Bedingung dauerte es bis Februar 2005: Erst mit dem Beschluss des russischen Parlaments konnte das Protokoll auch ohne die USA in Kraft treten. Beim Klimagipfel 2009 in Kopenhagen wurde im Prinzip um eine zweite Verpflichtungsperiode von 2013 bis 2018 mit neuen Reduktionszielen gerungen. Allerdings wollten die USA diesen Weg nicht mitgehen. Die USA stoßen heute viel mehr Treibhausgase aus als 1990, obwohl sie sich in Kyoto eigentlich zu einer Reduktion um sieben Prozent verpflichtet hatten. Allerdings ist dies nie in nationales Recht umgesetzt worden – weshalb die USA der einzige Industriestaat sind, der außerhalb der „Kyoto-Welt“ steht. China wiederum, das mittlerweile als CO2-Verursacher vor den USA liegt – zwar noch lange nicht pro Kopf, aber absolut –, will sich nur zu eigenen Reduktionen in einer zweiten Verhandlungsperiode verpflichten, wenn auch die USA unter das Dach des Kyoto-Protokolls kommen.
(Text von klimaretter.info)

LDC, steht für Least Developped Countries, deutsch: am wenigsten entwickelte Länder
Die LDCs sind Länder im globalen Süden, die einen extrem niedrigen Human Development Index (das offizielle Messinstrument der UN), also geringe sozio-ökonomische Ressourcen, haben. Dafür gibt es 3 Kriterien: Armut, soziale Merkmale (Gesundheit, Bildung etc.) und die Verwundbarkeit der Gesellschaft. Diese Länder sind zugleich am stärksten vom Klimawandel betroffen.

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Loss and Damage, deutsch: Verlust und Schaden
Dieser Ausdruck beschreibt die Verluste und Schäden, die Staaten, insbesondere im globalen Süden und kleine Inselstaaten durch den Klimawandel erleiden.

MOP, steht für Members of the Protocol
Bezeichnet alle Unterzeichnerstaaten des Kyotoprotokolls. Einige der Unterzeichner haben es jedoch nie national ratifiziert, z.B. die USA.

NAMBA, steht für Nationally Appropriate Mitigation Actions, deutsch: national angepasste Begrenzungs-Maßnahmen
Durch NAMBAs können Entwicklungsländer klimafreundliche Wirtschaftsprojekte mit Hilfe der Industriestaaten anschieben. Die Maßnahmen sind freiwilliger Natur und werden mittels Technologietransfer, capacity building, REDD+ und finanzieller Unterstützung der Annex-I-Staaten durchgeführt. Inwieweit die Industriestaaten sich ihr Engagement in die Klimabilanz schreiben können, konnte auf der COP15 in Kopenhagen nicht abschließend geklärt werden. Da die betroffenen Länder keine verpflichtenden Reduktionsziele haben, wurde die Augestaltung der NAMAs offen gehalten: Marokko beispielsweise plant zwei Atomkraftwerke.

NAP, steht für National Adaptation Plan, deutsch: Nationaler Anpassungsplan
Pläne, die den LDCs dabei helfen sollen, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

NGO, steht für Non-Governmental-Organization, deutsch: Nicht-Regierungs-Organisation
Ein zivilgesellschaftlicher Interessenverband, z.B. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und der BUND oder sozialpolitische Organisation wie Amnesty. NGOs haben auf der COP Beobachterstatus, dürfen also während der Verhandlungen nicht sprechen.

OECD, steht für Organisation for Economic Co-operation and Development deutsch: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die Hauptaufgaben der OECD bestehen in der Sicherung der Währungsstabilität, der Förderung des Welthandels, der Planung und Förderung des wirtschaftlichen Wachstums und der Koordination der Wirtschaftshilfe für die Entwicklungsländer. Hierzu veröffentlicht die OECD (2010 = 32 Mitglieder) eine Anzahl regelmäßig erscheinender Länder-, Wirtschafts- und statistischer Berichte, veranstaltet wirtschaftspolitische Konferenzen und berät in sozial- und wirtschaftspolitischen Fragen.

OPEC, steht für Organization of the Petroleum Exporting Countries, deutsch: Organisation erdölexportierender Länder
OPEC ist ein Ölkartell, dass 1960 zur Preisabsprache von den fünf wichtigsten Ölfördernationen gegründet wurde: Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela.
Gegenwärtig sind 13 Länder Mitglied: Neben den genannten Gründungsmitgliedern sind dies Nigeria, Algerien, Libyen, Angola, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ecuador und Indonesien. Damit steht die OPEC für mehr als 40 Prozent der weltweiten Ölförderung und verfügt wohl über 75 Prozent der weltweiten Ölreserven

REDD(+), steht für Reducing Emissions from Deforestation and Degradation, deutsch: „Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung
Jährlich werden weltweit 13 Millionen Hektar Wald abgebrannt oder gerodet, das ist viermal die Fläche von Belgien. Die daraus resultierenden Emissionen sind nach dem Energiesektor die zweitgrößte Quelle von menschenverursachtem Kohlendioxid. Die Idee von REDD: dem im Holz von tropischen und borealen intakten Wäldern gespeicherten Kohlenstoff einen ökonomischen Wert geben. Roden würde so in etwa dasselbe sein, wie Geldscheine zu verbrennen. Der Plan macht auch ökonomisch Sinn: Der Stern-Report von 2006 führt aus, dass die Drosselung der weltweiten Entwaldung der kostengünstigste Weg ist, die Kohlendioxid-Emissionen zu senken. Dieses Klimaschutzinstrument wurde 2007 eingeführt. Die Überarbeitung des REDD-Modelles, die als „REDD+“ bezeichnet wird, bezieht neben den Waldschutzmaßnahmen zudem die Kohlenstoffspeicherung über nachhaltigere Waldbewirtschaftungsformen und die Verbesserung der Wirtschaftslage der Menschen in den betroffenen Gebieten mit ein.
REDD ist höchst umstritten und birgt viele Schwierigkeiten. Mehr dazu hier.

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Technologietransfer
Die Klimarahmenkonvention sieht vor, dass die Entwicklungsländer vom Norden mit „sauberer“ Technologie versorgt werden sollen. Seit der ersten Vertragsstaatenkonferenz 1995 in Berlin geht der Streit um die Ausgestaltung dieser Vorschrift. Die Entwicklungsländer bemängeln regelmäßig, von den Industriestaaten nicht ernst genommen zu werden. (Text von klimaretter.info)

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UN, steht für United Nations, deutsch: Vereinte Nationen
Die UN wurden 1945 gegründet und haben ihren Sitz in New York, USA. Sie haben mittlerweile 193 Mitgliedsstaaten. Vor dem Hintergrund zweier Weltkriege sollen sie eine Zusammenarbeit der „Völker der Vereinten Nationen“ sichern. Alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) haben sich zur Einhaltung der in der Charta festgehaltenen Ziele und Prinzipien verpflichtet. Die UN haben zahlreiche Unterorganisationen. Zu den bekanntesten zählen UNICEF, UNESCO und die WHO. Einen tollen Überblick mit Infografiken zur UN gibt es hier: www.bpb.de/internationales/weltweit/vereinte-nationen/

UNEP, steht für United Nations Environment Programm, deutsch: Umweltprogramm der Vereinten Nationen
Das Programm wurde 1972 gegründet und hat seinen Sitz in Nairobi, Kenia. Nach seinem Selbstverständnis ist das Programm die „Stimme der Umwelt“ bei den UN. UNEP wirkt als Auslöser, Anwalt, Lehrer und Vermittler für den schonenden Umgang mit der Umwelt und einer nachhaltigen Entwicklung. Es arbeitet mit verschiedenen Partnern zusammen, darunter andere UN-Organisationen, andere internationale Organisationen, Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen.

UNFCCC, steht für United Nations Framework Convention on Climate Change, deutsch: Klimarahmenkonvention
Die Klimarahmenkonvention ist ein Umweltabkommen von 1992 mit dem Ziel, eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems zu verhindern und die globale Erwärmung zu verlangsamen sowie ihre Folgen zu mildern. Die 194 Vertragsstaaten treffen sich auf den COPs, um weitere Maßnahmen zu verhandeln. Das 1991 gegründete UNFCCC-Sekretariat unterstützt die Verhandlungen über die Nachfolge des Kyoto-Protokolls, sorgt für Informationsaustausch und wissenschaftliche Expertise über die Implementierung der Kyoto-Ziele (Emissionsdaten, Zielkontrolle) in den Teilnehmerstaaten. Es hat rund 200 Mitarbeiter*innen.

YOUNGO, Wortspiel aus „Young“ und „NGO“, sozusagen die Jugendform des CAN
Das gemeinsame Netzwerk aller jugendlicher Verteter*innen von NGOs.

youngo

Zwei-Grad-Ziel
Das Zwei-Grad-Ziel drückt aus, dass die Erderwärmung auf maximal 2°C begrenzt werden soll. Eine derartige Erwärmung führt zu Klimawandel-Folgen wie Meeresspiegelanstieg, Verschiebung der Wüstenzonen, Übersäuerung der Meere und Klimaflucht. Erstmals aufgestellt wurde es 2009 im Copenhagen-Accord. Viele stark vom Klimawandel betroffene Staaten fordern allerding ein 1,5°C-Ziel, weil sie die Folgen einer Erwärmung um 2°C für zu massiv halten, um sich daran anzupassen.

Anhang:

Kurze, einfache Zusammenfassung der COP19-Agenda: Defrosting COP19

Quellen:

Natürlich muss und kann man das Rad nicht neu erfinden. Folgende Quellen habe ich für die Zusammenstellung benutzt:
bpb.de
klimaretter.info
klimazwei.de
rtfcc.org
klimaschutz-ist-menschenrecht.de

Keine Klimagerechtigkeit ohne Geschlechtergerechtigkeit!

Women from the Mbini Self-Help Group showing off the fields
Letzten Montag, am 11.11.2013, haben die 19. UN-Klimaverhandlungen in Warschau begonnen. Die Lage ist erst. Der letzte IPCC-Report hat das wieder einmal stark unterstrichen. Die Folgen der globalen Erderwärmung, wie z.B. Dürren, Überschwemmungen oder Wirbelstürme, werden sich in den kommenden Jahren wohl noch spürbar verstärken. Es braucht dringend Maßnahmen, um diese negativen Folgen des Klimawandels auf ein Minimum zu beschränken. Der Diskurs dabei lässt sich in zwei Zielsetzungen aufteilen: Neben dem Ziel des Klimaschutzes durch Emissionsreduktion (Mitigation), wurden Anpassungsmaßnahmen (Adaption) mit dem Bali-Aktionsplan 2007 als dringend notwendig anerkannt.

Viel wird geredet über mögliche Lösungsstrategien. Dabei wird in den Klimadebatten vor allem mit Abkürzungen um sich geworfen, die so recht niemand verstehen mag: COP, CDM, JI, EU ETS, REDD+, AWG KP, LULUCF, CAN, NAPAs, UNFCCC und tausend mehr. Dass aber vor allem Frauen* von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, findet zwischen Abkürzungs-Wirrwarr und technokratischen Fachgesimpel kein Gehör. Die Gleichberechtigung zwischen Frauen* und Männern* gilt seit der 4. UN-Weltfrauenkonferenz 1995 als eigenes „Entwicklungsziel“. Dieses Ziel wird vor allem in klimapolitischen Fragen außen vor gelassen.

Der Diskurs um den Klimawandel ist geschlechterblind

Die negativen Auswirkungen des Klimawandels werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vor allem die ärmsten Menschen und Länder am stärksten treffen. Die hohe Verwundbarkeit ist auf die besondere Abhängigkeit armer Menschen von natürlichen Ressourcen, wie die Verfügbarkeit von fruchtbaren Boden oder die Niederschlagsmenge, zurückzuführen. Frauen* stellen dabei einen überproportional hohen Anteil (über 70 Prozent) der armen Menschen in Ländern des Globalen Südens dar und das vor allem in sog. Communities, die besonders von natürlichen Ressourcen abhängig sind. Es sind also besonders Frauen*, die in besonderem Maße von den Folgen des Klimawandels getroffen werden können und ein Großteil der Last tragen müssen.

Problem 1:
Die geschlechter-hierarchische Arbeitsteilung

In Ländern des Globalen Südens erzeugen Frauen* 60 bis 80 Prozent der Grundnahrungsmittel, besitzen aber nur 10 Prozent der Anbaufläche und nur ca. 2 Prozent der Bodenrechte. Weltweit erledigen Frauen* schätzungsweise 70 Prozent der unbezahlten Arbeit, bekommen aber nur etwa 10 Prozent der Einkommen und verfügen über nur 1 Prozent des Weltvermögens. Der Zugang zu natürlichen und gesellschaftlichen Ressourcen ist von einer starken Asymmetrie zwischen Frauen* und Männern* geprägt. Diese gesellschaftlichen ungleich verteilten soziale Güter und Nutzungsrechte sind eine zentrale Dimension geschlechtlicher Ungerechtigkeit.

Die ungleichen Geschlechterverhältnisse beruhen weltweit auf einer gesellschaftlichen Arbeitsteilung, die Frauen* und Männer* verschiedenen Geschlechterrollen zuweist. Frauen sind oft für die Überlebenssicherung der Familien und Haushalte verantwortlich. Ihr Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten ist, je nach kulturellen und regionalem Kontext, kleiner als die der Männer*. Damit sind Frauen* besonders abhängig und haben nur eingeschränkte Möglichkeiten sich auf die Folgen des Klimawandels einzustellen.

Problem 2:
Männlich* dominierte Klimaverhandlungen

Die Klimaverhandlungen sind stark männlich* dominiert. Damit werden Lösungen vor allem von einer androzentrischen Sichtweise geprägt. Die Lebensrealität von Frauen* wird auch in den Klimaverhandlungen nicht mitgedacht. Damit verwundert es nicht, dass weder die UN-Klimarahmenkonvention noch das Kyoto-Protokoll Genderaspekte oder Frauen als besonders betroffene Gruppe erwähnen.

Problem 3:
Die rein naturwissenschaftliche Perspektive auf Klimapolitik

In der Klimapolitik wird vor allem nach technischen Lösungen gesucht. Soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen von Betroffenen werden wenig, soziale Hierarchien und Machtverhältnisse eigentlich nicht miteinbezogen. Klimaschutzmaßnahmen sind überwiegend auf Marktmechanismen und (Groß-)Technologien ausgerichtet. Diese Perspektive prägte auch die Anpassungsdebatte vor allem im Globalen Süden. Dabei wurde nie wirklich hinterfragt, welchen Nutzen diese Anpassungsmaßnahmen, wie z.B. der CDM, für betroffene Bevölkerungsgruppen wirklich hat.

Frauen* an die Macht – auch in der Klimapolitik!

Es braucht ein Umdenken in der Klimapolitik. Um die Auswirkungen des Klimawandels in den Griff zu bekommen, braucht es Marktmechanismen zur Treibhausgas-Reduktion. Darüberhinaus muss der klimapolitische Diskurs erweitert werden. Das Wissen von Frauen* in Bezug auf Anpassung muss genutzt werden. Da vor allem Frauen* für die Energieversorgung zuständig sind, ist es vor allem ihnen möglich Strategien für passende Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln. Es braucht genderspezifische sowie auch Capacity Building-Strategien für lang-, mittel-, und kurzfristige Politiken, die die Mitwirkung von Frauen*, nicht nur als Nutznießerinnen bzw. „Opfer“, sondern auch als aktive zentrale Akteurinnen sehen und dabei auch die verschiedenen Lebensrealitäten von Frauen* mitdenkt.

Eine große Anzahl von strategischen Entscheidungen zum Klimawandel und den betreffenden Policies werden während diverser COP Meetings getroffen. Darüber hinaus ist es zentral, dass auf den Klimaverhandlungen und anderen Lobbyveranstaltungen Frauen* gleichberechtigt und in gleicher Zahl teilnehmen können. Nur so kann einem androzentrischen Blick auf Klimapolitik entgegengewirkt werden. Vor allem die EU und andere zentrale Akteur*innen der internationalen Klimapolitik stehen hier in einer besonderen Verantwortung Geschlechtergerechtigkeit aktiv umzusetzen!

Es ist eine große Herausforderung in einem so technischen und männer*dominierten Politikfeld die Genderdimension herauszustellen. Doch ohne Geschlechtergerechtigkeit wird es keine Klimagerechtigkeit geben. Gender Mainstreaming muss deswegen auch im klimapolitischen Diskurs ankommen!

Anmerkung:
Das Gender-Sternchen (*) hinter “Frauen” und „Männern“ soll deutlich machen, dass es diese Woche nicht nur um Menschen gehen soll, die “biologisch” weiblich/männlich sind, sondern um alle, die sich als Frau/Mann definieren, fühlen oder verstehen, ebenso wie Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen wollen.

Von Stuttgart nach Warschau!

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Mehr als die Hälfte der Abgeordneten im Deutschen Bundestag ist über 50!
Die katastrophalen Folgen der aktuellen Energie- und Klimapolitik werden die meisten dieser Abgeordneten wohl nicht mehr erleben. Die Leidtragenden der aktuellen Umwelt- und Klimapolitik sind wir! Ein Grund mehr als JUNGES Umwelt Bündnis auf die Straße zu gehen, denn unsere Forderungen müssen gehört werden.

  • Von Stuttgart bis nach Berlin! Deutschland als aktuell wirtschaftsstärkste Nation der EU muss eine Klimaschutz Vorreiterrolle für Europa einnehmen. Wir haben die Technologien und die Möglichkeiten dazu, wir müssen sie nur nutzen!
  • Von Stuttgart bis nach Warschau! Die VerhandlungspartnerInnen der einzelnen Industrie- und Schwellenländer müssen ihrer Verantwortung auf dem Klimagipfel (COP19) gerecht werden. Sie dürfen die Verantwortung nicht weiter von sich schieben.

Laut dem aktuellen Bericht des Uno-Klimarates müssen wir mit einem weiter ansteigendem Meeresspiegel rechnen, denn Schnee und Eis tauen weiter. Des weiteren warnt der Klimarat vor einer Erwärmung des Klimas um 3,7 Grad, bei einem ungebremsten Ausstoß von Treibhausgasen bis Ende des Jahrhunderts. Viele Gletscher drohen zu verschwinden und Ozeane sauer zu werden. Es könnten sich ganze Klimazonen verschieben, in einigen Regionen würde dies zu häufigeren Dürren führen, während es in mittleren Breiten wie Deutschland zu mehr Starkregen kommen würde. Doch politische Forderungen stellt der Uno-Klimarat nicht, das Gremium dient ausschließlich dem Wissenstand über das Klima.

Die Forderungen nach einer konsequenten, nachhaltigen und fairen Klimapolitik müssen deshalb die europäischen PolitikerInnen stellen, sie müssen das Ziel verfolgen, ihre amerikanischen, chinesischen und russischen Kollegen in Warschau zu überzeugen. Eine internationale Einigung ist zwar in weiter Sicht, darf aber nicht schon vor dem Gipfel für unmöglich erklärt werden. Die Hoffnung auch in Zukunft in einer lebenswerten Umwelt zu leben, dürfen wir nicht aufgeben. Lasst uns deshalb am 15. November gemeinsam auf die Straße gehen!

Die Klimaschutz-Lücke

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Eines der zentralen Ziele des politischen Klimaschutzes ist eine Begrenzung der Erderwärmung um zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter (meist wird das Jahr 1850 verwendet). Auch Angela Merkel hat sich auf dieses Ziel mehrfach verpflichtet, zuletzt beim Petersberger Klimadialog.

Was ist das Zwei-Grad -Ziel?

Zunächst mal ist es ein politisches Ziel und die genauen Effekte eines Temperaturanstiegs um zwei Grad sind eines der größten wissenschaftlichen Forschungsgebiete. Sicher ist auch, dass ein Überschreiten dieser Grenze nicht sofort zu einer apokalyptischen Kettenreaktion führt. Trotzdem sind die momentan vom Weltklimarat IPPC prognostizierten Effekte beim Zwei-Grad-Szenario nicht angenehm. Hier möchte ich nur kurz die Folgen Meeresspiegelanstieg, Verschiebung der Wüstenzonen, Übersäuerung der Meere und Klimaflucht nennen. Im vierten IPPC-Bericht von 2007 wurden mehrere Szenarien bei einer höheren Erderwärmung analysiert. Diese Szenarien waren bei höheren Temperaturanstiegen so stark geprägt von Klimazonenveränderungen, Meeresspiegelanstieg und dadurch bedingter Klimaflicht , dass nur das Zwei-Grad-Szenario, in welchem eine nachhaltige Klimapolitik zu Grunde gelegt wurde, als einziges zu bewältigende Perspektive für die Weltgemeinschaft eingestuft wurde. Da die Erderwärmung direkt mit der Konzentration von bestimmten klimaschädlichen Gasen in der Erdatmosphäre zusammenhängt, ist das Zwei-Grad-Szenario eigentlich nur ein Äquivalent zu einer bestimmten Menge des klimaaktiven Gases CO2 in der Atmosphäre. Andere klimaschädliche Gase machen einen wesentlich geringeren Anteil aus und werden abhängig von ihrer Klimaschädlichkeit in CO2-Werte umgerechnet.

Was bedeutet internationaler Klimaschutz?

Das Zwei-Grad-Ziel wurde auf der Weltklimakonferenz 2010 in Cancun erstmals als weltweites Ziel beschlossen. Um dieses Ziel nun wirklich zu erreichen, muss der weltweite Ausstoß von CO2 ganz massiv sinken. Das betrifft vor allem die Industrieländer und die großen Schwellenländer wie China, die für die meisten CO2-Emissionen verantwortlich sind. Momentan steigt der weltweite Ausstoß immer noch. Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 hat diesen Anstieg zwar kurz gebremst aber der weltweite Emissionsausstoß steigt klar an. Umso länger und vor allem stärker diese Emissionen ansteigen, umso schneller und radikaler muss eine Reduktion der Emissionen in zukünftigen Jahrzehnten vollzogen werden. Politisch und wissenschaftlich wird momentan daran gearbeitet, ein bestimmtes Jahr als sogenanntes „Peak-Year“ zu definieren – also das Jahr, in dem der weltweite CO2-Ausstoß seinen Höhepunkt erreicht. Doch darüber ist momentan noch keine Einigung erreicht. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, wäre es notwendig, das Peak-Year in den Jahren 2018-2020 festzusetzen.

Die Lücke

Die Höhe des CO2-Ausstoßes im Peak-Year wurde 2012 auf der Klimakonferenz in Durban zum ersten Mal ernsthaft diskutiert. Dabei wurde eine schwerwiegende, große Lücke festgestellt. Mit den aktuellen Steigerungsraten der weltweiten CO2-Emissionen wird der Peak so hoch ausfallen, dass das Zwei-Grad-Ziel kaum mehr realistisch erscheint. Alternativszenarien mit weniger Emissionen oder stärker eingerechneten weltweiten Klimaschutzmaßnahmen, reduzieren den Peak zwar teilweise deutlich um bis zu 10%, doch bleiben auch sie deutlich über den Werten, die in dem Bereich liegen, mit denen das Zwei-Grad-Ziel realistisch und wahrscheinlich erreichbar bleibt.

Dementsprechend verbleibt in der aktuellen Klimapolitik selbst bei optimaler Umsetzung der aktuell diskutierten Maßnahmen und wenn jedes einzelne Land seine zugesagten Klimaschutzmaßnahmen wirklich erfüllt, eine enorme Lücke zu dem eigentlich gesetzten Ziel von 15%-20% der weltweiten Emissionen. Der internationale Klimaschutz ist dementsprechend noch sehr weit davon entfernt einen realistischen Weg aufzuzeigen wie das Zwei-Grad-Ziel wirklich erreicht werden kann.