Energiewende made in Germany – Gesammelte Perspektiven

Quelle: Wikipedia/Armin Kübelbeck
Quelle: Wikipedia/Armin Kübelbeck

Die Energiewende in Deutschland gilt als Erfolgsmodell und findet weltweit Beachtung. Hier auf der Klimakonferenz habe ich mich auf den Weg gemacht, um Perspektiven von Jugendlichen aus der ganzen Welt und Politikern zu sammeln, wie sie sich die Energieversorgung der Zukunft sehen.

Gesammelte Perspektiven

Wir von der Klimadelegation des Jugendbündnis Zukunftsenergie, die wir uns hier auf der UN Klimakonferenz übrigens mit dem schönen englischen Namen „Youth Alliance for Future Energy“ vorstellen, setzen uns insbesondere auf nationalem Level für eine hundertprozentige Versorgung aus erneuerbaren Energien ein. Dieser Wandel des Energiesystems spielt eine entscheidende Rolle, um internationale Klimaschutzziele erreichen zu können.

So habe ich mich auf den Weg gemacht und die Chance genutzt, dass hier auf der Klimakonferenz nicht nur Verhandlungsdelegationen aus 194 Ländern anwesend sind, sondern auch viele engagierte Jugendliche aus der ganzen Welt, die ich nach eigenen nationalen Energiekonzepten und zur Wahrnehmung der deutschen Energiewende befragte.

Im Gespräch mit Marina aus Neuseeland erfuhr ich, dass beispielsweise der deutsche Weg, seit mehreren Jahren verstärkt auf Energie aus regenerativen Quellen zu setzen, bei ihnen eine große mediale Beachtung finde. Glorifizierend werde Deutschland als Paradebeispiel gesehen, weil aufgrund ingenieurwissenschaftlicher Kompetenzen die Energierevolution erfolgreich gestaltet werden könne. Marina war besonders von dem in neuseeländischen Medien verbreiteten Bild begeistert, auf jedem deutschen Dach befinde sich eine Solaranlage. Dies sei Ausdruck dafür, dass es sich um eine von einzelnen Bürgern ausgehende nationale Massenbewegung handele. Auch politisch war sie davon überzeugt, die Energiewende habe einen Konsens unabhängig von parteipolitischen Ausrichtungen erreicht. Marinas Vision für die Energieversorgung der Zukunft ist, dass in ihrem Land, wo bereits heute ein Großteil des Stroms von Wasserkraftanlagen erzeugt wird, auch Bürger eigene Solaranlagen errichten. So könne ihre „Generation Zero“ gestärkt werden und mit dem Ausbau erneuerbarer Energien einen entscheidenden Beitrag zur Klimabewegung leisten.

Elenore aus Albanien berichtete, dass bei ihr zu Hause bereits seit langer Zeit, auch ohne öffentliche Energiewendediskussion 80 % des nationalen Strombedarfs von Wasserkraftwerken gedeckt wird. Dennoch hat sie die Vision, dass die jetzt schon nachhaltige Energieerzeugung durch weitere Erschließung ungenutzter Potenziale, insbesondere im Solarbereich, gestärkt wird. Ihr Statement zur momentanen Energieerzeugung: „sustainable, but need to improve“.

 

Amena aus Ägypten informierte mich, dass in ihrem Land schon einige Staudämme für grünen Strom sorgen, aber auch, dass die Regierung derzeit zunehmend auf Kohleimporte setzt und sogar neue Kohlekraftwerke plant. Dennoch sieht sie die Chance, dass die große Wüstenfläche des Landes zukünftig intensiver zur Solarstromproduktion genutzt werden könnte. Dabei nimmt sie das deutsche Konzept als Vorbild, genossenschaftlich finanzierte Solaranlagen in Kommunen zu errichten. Darüber hinaus unterstützt sie auch das Desertec-Projekt, denn ihr Statement ist: “any technology that brings sustainable engery, is a good thing“.

Neben diesen exemplarischen Interviews mit Jugendlichen hatten wir auch die Chance mit verschiedenen Politikern, überwiegend aus Deutschland, über diese Thematik zu sprechen.

Dabei betonte Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser aus dem Bundesumweltministerium in ihrem Vortrag, dass international auf Deutschland geschaut werde, ob ein hochindustrialisiertes Land es schaffe, die Energiewende umzusetzen. Sie bezeichnete das gesamtgesellschaftliche Projekt, den Energiesektor zu transformieren, als größte Herausforderung Deutschlands seit dem zweiten Weltkrieg. Die Energiewende werde unsere Gesellschaft grundlegend verändern, indem sie zu mehr Solidarität, Wohlstand und positiven Wandel führe.

Matthias Groote, Vorsitzender des Umweltausschusses des europäischen Parlaments, sieht einen immensen Wettbewerbsvorteil Deutschlands, das bereits so früh auf erneuerbare Energien gesetzt hat. Dabei betonte er, dass dies allein schon in Europa eine Ausnahme darstelle, da in Folge der europäischen Finanzkrise die Wirtschaft in anderen Staaten am Boden liege und so nicht der gleiche Finanzierungsspielraum gegeben sei. Dennoch sieht er die Chance, auch in der Krise, eine Transformation hin zu nachhaltigen Technologien weiter voran zu treiben.

Diese Statements zeigen, dass von Deutschland international erwartet wird, die Energiewende erfolgreich umzusetzen. Viele von uns Jugendlichen haben jedoch den Eindruck, dass der politische und auch gesellschaftliche Enthusiasmus, dieses Ziel wirklich ambitioniert verfolgen zu wollen, ein wenig verloren gegangen ist. So liegt es nun an uns, sich jetzt und in Zukunft für eine ambitionierte und schnelle Realisierung der Energiewende einzusetzen.

[Text: Veronika Glitz]

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